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Neue Star-Trek-Serie "Discovery" erscheint auf DVD

Neue „Star Trek“-Serie : Frischer Wind im luftleeren Raum

Braucht die Welt wirklich eine weitere „Star Trek“-Serie? „Discovery“ erscheint jetzt bei uns auf DVD und bietet einige Überraschungen.

Ist das Universum tatsächlich unendlich – zumindest, was seine Geschichten angeht? Oder ist es irgendwann leer erzählt? Beim „Star Trek“-Universum konnte man den Verdacht zuletzt schon haben: Nach der klassischen Serie mit dem Duo Kirk/Spock (1966-1969), einer Zeichentrickserie (1973-74), der Wiederbelebung „Das nächste Jahrhundert“ (1987-1994),  „Deep Space Nine“ (1993-1999), „Voyager“ (1995-2001) und der früher als geplant beendeten „Enterprise“ (2001-2005) schien die Luft raus. Auch der Zuspruch der Kinofilme sank nach gelungener Wiederbelebung zuletzt wieder. Übersättigung? Ermüdung?

Kein Wunder also, dass die Nachricht einer weiteren „Star Trek“-TV-Serie weniger Euphorie denn eine vorsichtige Neugier ausgelöst hat. Nach dem US-Start beim Streamingdienst CBS All Access (und Netflix im Rest der Welt) erscheint „Star Trek: Discovery“ nun bei uns auf DVD – sie bringt sozusagen frischen Wind in den luftleeren Raum. „Discovery“, im 23. Jahrhundert  knapp zehn Jahre vor den ersten Abenteuern von Kirk und Spock angesiedelt, hat nicht die charmante Gemütlichkeit mancher Vorgänger-Serien – grimmig geht es hier thematisch zu; und man spürt, wie sich die TV-Landschaft und -Ästhetik seit dem Ende der Vorgängerserie „Enterprise“ verändert hat. Das Tempo ist hochtourig, die Optik aufwändig und gelackt – man könnte sich die Serie recht gut auch auf einer Kinoleinwand vorstellen.

kul-discovery2 Foto: CBS

In „Discovery“ wirkt das All noch eine Schattierung dunkler als gewohnt: Um Tod, Hass, Rassismus geht es, um Folter und Gehirnwäsche, vor allem um das Leben im Krieg. Hauptfigur ist die Sternenflotten-Offizierin Michael Burnham, erzogen auf dem Planeten Vulkan, wo die Logik Leitkultur ist. Bei einem Einsatz löst sie versehentlich den Krieg mit den Klingonen aus, widersetzt sich ihrer Vorgesetzten (mit tödlichen Folgen)  und wird wegen Meuterei zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch auf dem Flug zu ihrer Gefängniskolonie greift ein mysteriöser Sternenflotten-Kommandant ein – Lorca (Jason Isaacs), Kommandant des Schiffs „Discovery“, der Burnham für den Krieg rekrutiert.

Die Figur Burnham, angeschlagen von Schuldgefühlen und ob einer gewissen Arroganz nicht durchweg sympathisch, könnte kaum weiter entfernt sein von Captain Kirks kernigem Alphatier-Selbstbewusstein oder Jean-Luc Picards feingeistigem Humanismus aus „Das nächste Jahrhundert“. Die Stärke von „Star Trek“ war stets, dass die Figuren wichtiger sind als Action und Raumschlachten. Von letzteren bietet „Discovery“ einige, interessanter sind aber die Entwicklungen der Charaktere – etwa wie sich Burnham erst einmal gegen die Vorbehalte der neuen Kollegen wehren muss, die ihr als Meuterin keine Verlässlichkeit zutrauen.  Zwischenmenschliche Hürden gibt es also genug, ganz zu schweigen vom Krieg mit den Klingonen, die hier ein wenig anders gezeichnet werden – wie gehabt sind sie vernarrt in markige Kriegsreden und sehen aus, als röchen sie streng;  aber sie sind es, die sich anfangs von der Sternenflotte bedroht fühlen, denen sie ein interstellares Hegemonialstreben zuschreiben – dem Sternenflotten-Motto „Wir kommen in Frieden“ trauen sie nicht recht.

Dies alles erzählt „Discovery“ zügig und spannend, mit einigen Wendungen, trügerischen Figuren und überraschenden Todesfällen, auch wenn es manchmal dramaturgisch holpert: Eine Folge verhebt sich völlig mit gleich drei parallelen Erzählsträngen, und manchmal stört eine filmische Kraftmeierei – da unterhalten sich Raumfahrer an einem Bildschirm, und die Kamera saust in einer Kreisfahrt  um sie herum, bis einem schwindelig wird. Aber die Stärken überwiegen: gute Darsteller, Diskussionen über Logik contra Bauchentscheidung und das Leben an sich – auch wenn die Serie manchmal zum Moralisieren neigt. „Discovery“ bietet das erste homosexuelle Paar bei „Star Trek“ und hält mehr als einmal ein Plädoyer für ethnische Vielseitigkeit, die sich auch in Figuren und Besetzung widerspiegelt. Glaubt man der Serie, wird man dereinst noch die Beatles kennen, Elon Musk für einen genialen Pionier halten und auch noch vage wissen, was ein gedrucktes Buch ist.

Die erste Staffel  führt nach einigen episodischen Abenteuern in ein Paralleluniversum, in dem sich die Menschheitsgeschichte anders entwickelt hat: zu einem faschistischen Weltall-Regime, in dem Mord und Spitzeltum zum normalen Umgang am Arbeitsplatz gehören; Andersdenkende werden, eine gruselige Drehbuch-Idee, ins All gebeamt – ohne Raumanzug. Dass ein böser Imperator sich wünscht, dass sein Reich „great again“ werde, ist in der Ära Trump wohl kein Zufall.

Staffel 1: 15 Episoden, erschienen bei Paramount/Universal. Staffel 2 in Vorbereitung.