Neues Album von Fleet Foxes: Neue Klänge aus dem Fuchsbau

Neues Album von Fleet Foxes : Neue Klänge aus dem Fuchsbau

Die US-Band Fleet Foxes bastelt weiter an ihrem ganz persönlichen Folk-Revival.

Sechs Jahre nach „Helplessness Blues“ ist der Vollbart bei den Fleet Foxes zwar deutlich gestutzt. Ansonsten gibt es aber auch nach dieser halben Ewigkeit weder große Richtungswechsel im Klanguniversum der einstigen Folk-Revival-Pioniere aus Seattle noch irgendwelche zeitgenössischen Abschweifungen ins Elektronischere wie bei vergleichbaren Musikern. Ihr drittes Album „Crack-Up“ ist unverkennbar eigen und fest verwurzelt im akustischen, intimen Gitarren-Folk mit geschmeidigen Melodien und träumerischen (Harmonie-)Gesängen. Trotzdem hat sich was getan im Fuchsbau: Denn das Quintett um Robin Pecknold arbeitet sich künstlerisch ambitioniert deutlich weiter und tiefer ins Vertraute hinein.

Das spürt man schon beim Auftakt „I am all that I need/Arroyo seco/Thumbprint scar“, der in sechs Minuten drei Titel in einen packt und dabei die gängigen Song- und Refrainstrukturen aufbricht. Auch danach gehen die Stücke ineinander über oder brechen ab. Songs wechseln die Richtung oder dauern, wie die erste Single „Third of May/Ōdaigahara“, fast neun Minuten.

Bei all dem träumerischen Wohlklang werden unerwartete Klänge und Geräusche eingestreut. Das kann mal aufbrausender sein, schwingt sich für Augenblicke symphonisch auf und strahlt trotzdem wieder kontemplative Ruhe raus. Nicht nur musikalisch erweitern die Fleet Foxes ihren Horizont. Auch in den Texten fliegen die literarischen und historischen Verweise quer und weit: Die Gedanken schweifen von persönlichen Reflexionen weiter zu Muhammed Ali, F. Scott Fitzgerald und dem US-Bürgerkrieg. Etwas rätselhafter, verkopfter und prätentiöser mag das erscheinen. Und doch sind auch hier die Songs wieder einmal die besseren und langlebigeren, die sich beim ersten Mal nicht aufdrängen, sondern sich erst langsam erschließen. Das vielschichtige „Crack-Up“ verlangt, dass man sich Zeit nimmt und richtig zuhört. Doch die Geduld, die zahlt sich aus.

Fleet Foxes: Crack-Up
(Nonesuch/Warner).

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