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Mutterwitz, Machismo, Mimikkunst: Tag 2 der St. Ingberter Pfanne

Mutterwitz, Machismo, Mimikkunst: Tag 2 der St. Ingberter Pfanne

Nach dem kontrastreichen samstäglichen Auftakt mit Chansonkabarett, Poetry-Slam-Texten und A- Cappella-Show war der Pfannen-Sonntag durchweg zum Brüllen komisch – und das bei drei ebenfalls völlig unterschiedlichen Formaten.

. Bei Comedy-Walküre Daphne de Luxe wähnte man sich zu schunkeltauglichem Schlager im Halb-Playback zunächst auf der karnevalesken Kaffeefahrt des örtlichen Travestievereins. Doch flugs entpuppte sich die fränkische Wuchtbrumme als ebenso patente wie selbstironische Motivationstrainerin für alle (harmlosen) Lebensschräglagen rund um Figur & Essen. Außen extravagante XXL-Barbie, innen Selbstbewusstein in Übergröße: Der sinnenfrohe, gar nicht stutenbissige Wonneproppen wirft mit kessen Sprüchen und frechen Witzen um sich, agiert raumgreifend und hat mit unwiderstehlichem Mutterwitz und betörender Schlagfertigkeit den direkten Draht zum Publikum gepachtet. Auch wenn die Gürtellinie manchmal arg schmal ist: Vor diesem Vollweib muss man kapitulieren.

Ebenfalls hinreißend: die "Kabaratte" der Dresdener Puppenspielerin Cornelia Fritzsche alias Ursula von Rätin. In dieser rattenscharfen Handpuppe begegnet einem der Typus des alternden Schauspielers, der jedem Zuhörwilligen selbstgefällig aus seinem reich bewegten Theaterleben vorschwadroniert. Das gelingt Fritzsche so witzig wie großartig: Dialektsicher findet sie für jede Rolle die passende Stimme und Haltung und spielt mit Geschlechter klischees wie männlichem Machismo und weiblicher Geziertheit. Dass sie außerdem die Kurve kriegt, den eigenen Berufsstand und (über die Figur eines arbeitslosen Ossi-Kasperles) die Folgen der Wende aus Ostsicht zu bespiegeln, adelt ihr Programm "Kabaratte sich wer kann" mit bissiger Gesellschaftskritik. Ein Fest!

Handwerklich gleichfalls top und doch wieder ganz anders zum Finale das Berner Trio "Starbugs Comedy": Breakdancer mit kindlichem Spieltrieb und dank Geräusch-Zuspielung die wohl lautesten Pantomimen der Welt. Fabian Berger, Martin Burtscher und Wassilis Reigel agieren stumm, ihre Mimik ist dafür umso beredter. Mit ultrapräzisem Timing zünden die drei eidgenössischen Erzkomödianten ein Tempo- und Action-geladenes Bühnenspektakel, bei dem sie jede inszenierte Panne in einen Sieg verwandeln und konsequent sämtliche Erwartungshaltungen unterlaufen. Originell, herrlich albern.