Monty Pythons unedle Ritter im Zeltpalast

Monty Pythons unedle Ritter im Zeltpalast

In Merzig bleibt's mit „Spamalot“ bei deftigem Entertainment, beim Losheimer „SR Klassik am See“ stellt sich ein junger Pavarotti vor. „Musik & Theater Saar“ behält auch 2017 die bewährte Angebots-Mischung bei.

Ein harter Kampf liegt hinter ihm. Doch "jetzt rollt's", sagt Joachim Arnold, Chef von "Musik & Theater Saar". In dem Fall kann man es wörtlich nehmen. Denn jetzt rollen sie über Deutschlands Straßen, die Merziger Tour-Trucks, die das Equipment für "The Addam's Family" zu anderen Theatern tragen, demnächst in den Admiralspalast in Berlin oder ins Haus der Wiener Festwochen. Gute Adressen, die Arnolds Export-Geschäftsmodell "Made im Saarland" bestätigen: Die Merziger Musicals werden als Tourneeproduktionen angelegt. Am Heimat-Standort selbst lief 2016 ebenfalls alles rund, wie Arnold berichtet. 20 000 Besucher kamen zu 30 Events, für die Firmen oder die "Magic Artists" sein Zelt mit 1000 Plätzen buchten. Für das eigene Stück "Nine to five" wurden 20 000 Tickets verkauft.

Warum also was ändern? Wenn es um die Angebots-Struktur von "Musik & Theater Saar" geht, entpuppt sich der unkonventionelle Kulturmanager Arnold als recht konservativ. Keine neuen Formate. Die Freiluft-Fans erwartet am 8. Juli das SR Klassik Open Air am Losheimer Stausee mit der Deutschen Radio Philharmonie (DRP) und mit dem Sänger Siobhan Stagg, der angeblich an den jungen Pavarotti erinnert. Titel des Abends: "Liebeserklärung - Musikalische Geständnisse von Puccini bis Bernstein". Für Klassik-Feinschmecker laufen zwischen 25. Juni und 3. September die Mettlacher Kammermusiktage. Herzstück des Spielplans ist freilich das Musical im Zeltpalast, der einst als "Oper im Zelt" startete und 2012 aus Ertragsgründen auf Entertainment umgestellt wurde.

Das Programm 2017 hat das Zeug dazu, den letzten Stammkunden aus alten Zeiten zu vertreiben. Denn "Spamalot. Das total verrückte Musical" (16. August bis 3. September) ist ein Trash-Stoff. Das Musical, das 2005 am Broadway heraus kam, beruht auf Monthy Pythons Kultfilm "Die Ritter der Kokosnuss" (1974), einer übergeschnappten Persiflage auf die Artus-Sage. Man muss sich auf Killerkaninchen, trojanische Hasen und heilige Handgranaten einstellen - der Anarcho-Humor der britischen Truppe "Monthy Python and the Flying Circus" ist singulär und legendär. Und mittlerweile salonfähig: "Spamalot" wird auch an großen Häusern wie Bochum oder Mainz gezeigt.

"Es ist einfach nur saukomisch", sagt Arnold. In den 70er Jahren hätte er die Monty-Python-Filme als Inbegriff des politisch Unkorrekten erlebt und gefeiert: "Ich konnte jede Szene rezitieren wie ein Goethe-Gedicht." Die meisten Zuschauer dürften zumindest einen Titel des Musicals kennen: "Always look at the bright side of life". Als Regisseur hat er den Merziger Vielfach-Gast Andreas Gergen engagiert, der "Spamalot" für das eigene Haus, das Landestheater Salzburg, inszeniert hat. Auch der Musicaldarsteller Uwe Kröger ist wieder im Team.

Hat Arnold keine Bedenken, durch "Spamalot" den Zeltpalast nun gänzlich in die Ecke "Amüsierbude" zu schieben? Der Theaterchef hält solcherart Einsortier-Kästchen für überholt. Außerdem: "Wir sind ein privater Kulturanbieter. Wir müssen an die Kasse denken. Für E-Kultur haben wir kein öffentliches Mandat."

Vorverkauf ab Samstag: www.musik-theater.de