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Projekt zum Ende des Kohlebergbaus auf dem Theaterschiff : Mit dem Theaterschiff  auf Reise in die Bergbau-Vergangenheit 

Projekt zum Ende des Kohlebergbaus auf dem Theaterschiff : Mit dem Theaterschiff  auf Reise in die Bergbau-Vergangenheit 

„Expedition B“ heißt ein zweiteiliges Kunstprojekt aus Rauminstallation unter Deck und Performance an Land zum Ende des Bergbaus. In Ensdorf war Premiere.

2018 macht auch im Ruhrpott die letzte Zeche dicht. Die zweiteilige Kunstinstallation „Expedition B“, konzipiert von Theatermacher und Schiffseigner Frank Lion und Barbara Bruhn, würdigt die Bedeutung der Kohle in Deutschland, respektive an der Saar und im Ruhrpott. Zur Premiere der von der RAG-Stiftung finanzierten Freiluft-Performance „Sehnsucht nach Licht“ auf dem Gelände der RAG Steinkohle AG zu Füßen der Halde Duhamel in Ensdorf kamen 150 Besucher und viel Politik-Prominenz.

Bei Nieselregen und aufsteigendem Mond, zeigten am Samstag vier Tänzerinnen und Tänzer aus Berlin, wie sie die letzte Schicht interpretieren. In Loren wurden sie herbeigefahren, Choreograph Ruben Reniers sprang selbst kurzfristig für einen verletzten Tänzer ein. Für „Sehnsucht nach Licht“ hatte er über Bergbau im Internet recherchiert.

Einigen der anwesenden Bergleuten war der tänzerische Ausdruck, den er für die Härte der Arbeit, die sich wiederholenden Tätigkeiten, den Zusammenhalt der Bergleute und die Enge der Stollen fand, allerdings zu abstrakt und lebensfern. Nüchtern befand ein ehemaliger Reviersteiger, „Der Bergmann empfand es nicht als Enge, sondern als den Raum, der ihm zur Verfügung stand, um seiner Arbeit nachzugehen.“ Das vermeintliche „Herumirren“ mit Grubenlampen gegen Ende der Vorführung, sagt Reniers, sei straff choreographiert und soll auch ein Ausleuchten der zahllosen unter der Erde verlaufenden Grubengänge symbolisieren. Reniers Botschaft ist auch, dass der Schmelztiegel Zeche, in dem das Zusammenarbeiten vieler Nationen funktionierte, zukunftsweisend sei, unabdingbar würde es auch über Tage international weitergehen.

Wollie Kaiser und Stefan Scheib verbanden Bergmannsgesänge stimmungsvoll mit eigenen Kompositionen, die Musiker des „InZeit-Ensembles“ spielten in einem Förderkorb, „Percussion under construction“, das Percussion-Ensemble des vom Staatstheaters wirkte ebenfalls mit. Als am Ende ein Bergmanns-Kittel zusammengelegt wird, ist das ein stilles, aber starkes Bild für das Ende des Bergbaus.

Auf dem Theaterschiff, das am 10. Mai in Duisburg anlegt und dann über Mülheim, Oberhausen, Recklinghausen und Herne bis in den Ruhrpott fährt, wird die audiovisuelle Rauminstallation „Unter Tage, unter Deck“ gezeigt. Die Künstler François und Florian Schwamborn haben die stählernen Wände des Frachtraums als Klang- und Bildraum gestaltet, der den Bergbau mit Hilfe von Projektionen und Toneinspielungen erfahrbar macht. Diese Installation unter Deck war ebenfalls am Samstag erstmals zu sehen – am Saarbrücker Willi-Graf-Ufer.