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Max Goldt, unser liebster Märchenonkel

Max Goldt, unser liebster Märchenonkel

Ganz geduldig saß er da und sprach im Märchenonkel-Ton ins Mikrofon: Max Goldt hat die Ruhe weg bei seinen Lesungen. So auch dieses Mal am Dienstag in der Alten Feuerwache, seinem angestammten Revier bei den Saarbrücker Gastspielen.

Mit 220 Zuschauern war der Theatersaal fast komplett besetzt, als der 59-Jährige seine humoristischen Texte las: von der ganz konkreten Reise nach Katar bis zu absurden Fantasiegeschichten reichte das Spektrum. Im Wüstenstaat begegnen ihm sowohl Luxus als auch eine aufdringliche "Geheimdienst-Ziege" und eine Fahrweise, die selbst diejenige der Argentinier harmlos erscheinen lässt. Das Bizarre findet sich auch hier, nämlich als ein teurer Falke kurz aufgeschnitten wird, nur weil sein Käufer wissen will, ob organisch alles in Ordnung sei. Goldts ausgedachte Plots stammten meist aus dem Band "Räusper", einer Sammlung von in Prosa übertragenen Comic-Skripts. Wie sich Kleinbürger gegenüber "sympathischen Nazis" verhalten, wurde darin ebenso betrachtet wie eine DVD aus der Reihe "Heiteres Berufe abraten", deren Szenen junge Frauen davon abhalten sollen, Ärztin zu werden.

Eine längere Passage widmete Goldt der "Flut von Publikationen über populäre Irrtümer". In Wirklichkeit stimme doch alles, was das Volk so meint. So etwa der Potenz-Satz "Nach 3000 Schuss ist Schluss" ebenso wie die Aussage, dass Yoko Ono die Beatles zerstört habe. Wahr sei doch auch, dass die Sozialkompetenz von Frauen größer als jene von Männern sei - so groß sogar, dass man sie wie die Chinesische Mauer vom Mond aus erkennen könne, Hunde könnten sie von dort aus sogar riechen. An Stellen wie diesen machte das Dauerschmunzeln des Publikum Platz für herzhaftes Lachen.