Lukas Bärfuss mit Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet

„herausragenden Erzähler und Dramatiker“ : Lukas Bärfuss mit Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet

Der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss ist am Samstag in Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet worden. Der 47-Jährige erhielt den mit 50 000 Euro dotierten Preis für seine Dramen und Romane, wie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mitteilte.

Zuletzt erschienen von ihm der Roman „Hagard“ (2017) und der Essayband „Krieg und Liebe“ (2018).

Die Jury würdigte Bärfuss als herausragenden Erzähler und Dramatiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: „In einer distinkten und dennoch rätselhaften Bildersprache durchdringen sich in seinen Dramen und Romanen nervöses politisches Krisenbewusstsein und die Fähigkeit zur Gesellschaftsanalyse am exemplarischen Einzelfall, psychologische Sensibilität und der Wille zur Wahrhaftigkeit.“ In seinen Essays begleite er die heutige Welt „mit furchtlos prüfendem, verwundertem und anerkennendem Blick“.

Bärfuss sagte in seiner Dankesrede, die Preisvergabe bringe ihn etwas in Verlegenheit. Als Vater wolle er seinen Kindern Zuversicht und Vertrauen schenken, „aber mein Werk ist in weiten Teilen ein Zeugnis für die menschliche Niedertracht und Grausamkeit“. Den Stoff für seine „Szenarien des Schmerzes“ hätten ihm die blutigen Grauen des 20. Jahrhunderts gegeben. Aufgabe des Schriftstellers sei es, „mit wachen Sinnen und empfindsamen Herzen“ die Gewalt zu erkennen und zur Sprache zu bringen. „Und wenn wir den Mut haben und nicht um unser Leben fürchten, dann können wir uns gegen sie stellen und sie überwinden.“ Bärfuss wurde am 30. Dezember 1971 in Thun geboren und lebt in Zürich. Er begann 1998 als Dramatiker und avancierte zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Theaterautoren. Seine Stücke wurden in ein Dutzend Sprachen übersetzt und werden weltweit gespielt. Zu seinen bekanntesten Dramen zählen „Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ (2003), „Der Bus“ (2005), „Öl“ (2009) und „Frau Schmitz“ (2016). Sein neuestes Stück „Der Elefantengeist“, wurde im September 2018 am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt.

Als Erzähler debütierte Bärfuss 2002 mit der Novelle „Die toten Männer“. Sein erster Roman „Hundert Tage“ über den Völkermord in Ruanda erschien 2008. Auch sein zweiter Roman „Koala“ aus dem Jahr 2014, in dem er den Suizid seines Bruders verarbeitete, fand ein großes Echo und trug ihm 2014 der Schweizer Buchpreis ein. Sein jüngster Roman „Hagard“ handelt von einem erfolgreichen Geschäftsmann, der sich durch obsessives Begehren aus allen sozialen Bindungen löst.

Der Preis ist nach dem in Darmstadt aufgewachsenen Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Radikaldemokraten  Georg Büchner (1813-1837) benannt. Er wurde erstmals 1923 vergeben, im vergangenen Jahr an die Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Übersetzerin Terézia Mora. Das Preisgeld wird aufgebracht von der Bundeskulturbeauftragten, dem hessischen Kunstministerium und der Stadt Darmstadt.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verlieh zudem  den mit 20 000 Euro dotierten Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa an den Wiener Kulturwissenschaftler Thomas Macho. Die ebenfalls in Wien geborene Literaturkritikerin Daniela Strigl erhielt den ebenfalls mit 20 000 Euro dotierten Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay.

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