Lesung im Saarländischen Künstlerhaus

Lesung im Künstlerhaus : Karl May und die Kreuzzüge

Eine Saarbrücker Lesung aus Briefen von Arno Schmidt und Hans Wollschläger.

Gerade mal  15 Besucher sind im Saarbrücker Künstlerhaus  bei der  Buchvorstellung des Ende 2018 erschienenen, voluminösen Briefwechsels zwischen Arno Schmidt und Hans Wollschläger – Herausgeber Giesbert Damschke sowie die Schmidt-Experten Bernd Rauschenbach und Joachim Kersten inklusive, die Protagonisten der Bargfeld-Stiftung. Eingeladen vom Künstlerhaus, sind sie zum dritten Mal hier, um „Arno Schmidt in die Welt zu tragen“, wie Jörg W. Gronius in seiner Begrüßung sagt.

Die mit dem schönen Titel „Wie eitel Nacht im Gemüt“ titulierte Buchvorstellung – der angedachte Titel „Winnetous Erben“ wurde verworfen – bietet einen buchstäblich erschöpfenden, fast zweistündigen (!) Einblick in diese bemerkenswerte Korrespondenz: Auf der einen Seite der arrivierte Autor und in diesem Fall auch Lehrer Schmidt, der Wollschläger anfangs ungewohnt umgänglich zur Arbeit an dessen Manuskript „Herzgewächse oder der Fall Adams“ antreibt. Ihn gar wiederholt ermutigt, endlich seine unfertigen Textproben an Stahlberg-Verleger Ernst Krawehl zu schicken. Auf der anderen Seite der Schüler, der nicht gehorcht. In Sachen Roman die Arbeit eloquent aufschiebt, wiederholt beredtes Zeugnis seiner literarischen Begabung ablegt – und schließlich mit seinen kirchenkritischen Schriften und als Chronist der Kreuzüge reüssiert, bevor er 1975 durch seine Übersetzung des „Ulysses“ von James Joyce bekannt wird.

Herausgeber Damschke und Rauschenbach lesen pointiert in verteilten Rollen: Topoi sind die Alltagsnöte der Schriftsteller, die gemeinsame Arbeit an der Edgar-Allan-Poe-Übersetzung, Häme, Spott und Schelte für Kollegen und vor allem die Karl-May-Verlags-Oberhäupter. Schmidt, der beim Abfassen an  „Zettels Traum“ arbeitet, verstummt schließlich. Zum Verdruss Wollschlägers, der als freier Mitarbeiter des Karl-May-Verlags seinen Lehrer in bester Doppelagenten-Manier nicht nur mit pikanten Verlags-Interna, sondern abfotografierten Karl-May-Materialien aus dem Tresor versorgt – und dabei fast auffliegt. Derartige Episoden lockern den Abend auf, der etwas lang und detaillreich verzettelt geriet.

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