Leitungssstreit hinten den Kulissen der Forbacher Nationalbühne Le Carreau

Streit zwischen Direktorin und dem ganzen Team? : Leitungskrise beim Forbacher Carreau

Seit Monaten ist die künstlerische Leiterin des Forbacher Carreau nicht im Dienst – offenbar wegen Differenzen mit ihrem Team.

Von außen betrachtet läuft bei der Forbacher Nationalbühne Le Carreau alles wie immer. Gerade erst konnte man sich dort köstlich amüsieren über eine symbiotische Männerfreundschaft zwei skurriler Pariser („Bouvard und Pécuchet“) – dargeboten von der Compagnie Déschamps nach einem Roman von Gustave Flaubert. Hinter den Kulissen aber herrscht im Carreau schon seit Monaten das Gegenteil von eitel Sonnenschein.

Wer sich erkundigte, wo denn Fabienne Lorong sei, die Direktorin des Carreau, die sonst bei Theatervorstellungen die Gäste begrüßte, erfuhr, sie sei krank gemeldet. Und das schon seit acht Monaten, immer aufs Neue. Auch in den nächsten drei Monaten wird Lorong wohl nicht zurückkehren. Dahinter scheint aber etwas anderes zu stecken: ein tiefgreifendes Zerwürfnis zwischen Lorong und einigen langjährigen Mitarbeiten des Carreau-Teams, die ihr, so hört man, mangelnde Führungskompetenz vorwerfen.

Auf diese Gerüchte angesprochen, bestätigt Eric Roger, Präsident des Carreau-Trägervereins AATEM (Association Artistique et Théâtrale de l‘Est Mosellan), denn auch: „Ja, ich möchte nicht ins Detail gehen, aber es gibt eine Krise zwischen der Direktorin und praktisch dem ganzen Team.“ Es müsse eine Lösung gefunden werden, doch im Moment sei noch keine in Sicht, sagt Roger und lässt durchblicken, dass ihm obwohl Präsident des Trägervereins durchaus die Hände gebunden sind.

Diesem Trägerverein, wie er analog allen 71 „Scènes nationales“ Frankreichs zugrunde liegt, gehören neben einigen Bürgern als Vertreter der Zivilgesellschaft – einer davon ist besagter Eric Roger – auch alle vier Geldgeber der Nationalbühnen an. Neben dem Kulturministerium sind das im Falle des Forbacher Carreaus die Region Grand Est, der Bürgermeister der Stadt Forbach sowie die Bürgermeister des interkommunalen Zweckverbands des Kohlebeckens. Auf die Frage, ob der Trägerverein denn schon versucht habe, den Konflikt – wie in Deutschland heutzutage nicht unüblich –mit einer Mediation zu lösen, reagiert Roger mit verhaltenem Lachen. „Wir in in Frankreich haben eine jakobinische Kultur, so etwas wie Mediation kennt man da nicht“.

Wie aber geht das Le Carreau nun mit dieser „kopflosen“ Situation um? Neben der Gewährleistung des laufenden Theaterbetriebs müsste es doch längst den Spielplan der kommenden Saison unter Dach und Fach bringen. Roger versichert, es gebe derzeit keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Als Präsident sei er befugt, die Leitung in einer solchen Situation vorübergehend auf das Team zu übertragen, damit das Theater handlungsfähig bleibe. Der Spielplan 2019/2019 stehe bereits, der Trägerverein habe dem Programm sowie dem Budget der Finanziers für die nächste Saison bereits zugestimmt. Auch die Kooperationsvorhaben mit den grenzüberschreitenden Festivals Perspectives, Loostik und Primeurs für 2019 seien bereits unterzeichnet. „Weder die Existenz des Carreau noch die Qualität seines Programms und die grenzüberschreitende Verbundenheit sind also bedroht“, versichert Roger.

Dennoch stehen dem Carreau schwierige Zeiten bevor: Das Theater soll nämlich ab Februar 2019 umfangreich umgebaut und modernisiert werden. Die Baumaßnahmen, die in einzelne Bauabschnitte aufgeteilt sind, sollen sich laut Roger über drei Jahre erstrecken. Der große Theatersaal werde in der nächsten Saison noch vier bis sechs Monate bespielbar sein, erklärt Roger, danach könnten Vorstellungen nur im kleinen Saal, in einem Zirkuszelt und in Außenspielstätten stattfinden. Im zweiten Umbaujahr und dritten, wenn die eigentliche Renovierung des großen Theatersaals stattfinde, werde es noch „etwas komlizierter“, sagt Roger. In den Spielzeiten 2020/21 und 2021/22 könne man den großen Theatersaal zwar nutzen, doch nicht die ganze Saison über.

 „Da wird man erfinderisch sein müssen; da braucht man eine Leitung, die sich etwas einfallen lässt, um die Kontinuität zu halten, einen Ausfall der Leitung können wir da eigentlich nicht gebrauchen“, meint Präsident Eric Roger betrübt. Früher oder später, gibt er sich aber zuversichtlich, wird sich die jetzige Situation lösen. Eines möchte Roger unbedingt noch hinzufügen: „Ich wünsche mir, dass man eine Lösung findet, die für alle human ist.“

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