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Ausstellungen: Landschaften, die in Farbe baden

Ausstellungen : Landschaften, die in Farbe baden

Merzigs Museum Schloss Fellenberg zeigt eine sehenswerte Ausstellung mit Bildern Hermann Hesses und seines Sohnes Bruno.

Wie Goethe, Tolstoi und Günther Grass war auch Hermann Hesse nicht nur ein großer Schriftsteller, sondern auch ein talentierter Maler und Zeichner. Erst spät begann der Wahlschweizer mit dem Malen, als eine Lebenskrise ihn während des Ersten Weltkriegs in eine Depression zu reißen drohte. So fand er eine Möglichkeit, sich spontan und ungezwungen auszudrücken – ohne den Beschränkungen des Wortes unterworfen zu sein. Schnell fand er Gefallen daran, und es wurde Teil seines Alltags. 1925 notierte Hesse: „Nicht dass ich mich für einen Maler hielte, aber das Malen ist wunderschön, es macht froher und duldsamer.“

In der Ausstellung im Merziger Museum Schloss Fellenberg sind den Aquarellen, Bleistift- und Federzeichnungen Hesses erstmals die Arbeiten seines ältesten Sohnes Bruno zur Seite gestellt. Der wuchs nach der Trennung der Eltern bei dem Schweizer Maler Cuno Amiet auf und wurde dessen Schüler. Trotz der zerrütteten Verhältnisse der Familie pflegten Vater und Sohn ein inniges Verhältnis. Wie die ausgestellten Briefe zeigen, interessierte sich Hesse sehr für die Malerkarriere des Sohnes. Beide tauschten sich intensiv über ihre Arbeit aus und planten gemeinsame Malausflüge.

Erstaunlich ist, wie nahe sich die beiden in ihrer Arbeitsweise und dem Stil sind. Vater Hesse malte fast ausschließlich Landschaften seiner Tessiner Wahlheimat. Auch der Sohn fand in den Landschaften der Schweiz seine Sujets. Beiden gemeinsam ist aber auch das intensive Farbspiel. Fast schon expressionistisch tauchen die Hesses ihre Landschaften in leuchtende Farben. Mal sind diese Ansichten nur angedeutet und flächig, dann wieder sorgsam mit intensivem Linienspiel ausgearbeitet. Während sich der junge Hesse vor allem ausprobiert, zeigt der ältere schon in den Zwanzigerjahren erstaunliche Qualitäten. Er setzt Bilder aus quadratischen Farbflächen zusammen; arbeitet mit gestischem Pinselstrich, manchmal aber auch sehr akkurat und kleinteilig, bisweilen sorgfältig ausgearbeitet, dann wieder skizzenhaft hingeworfen. Bruno eiferte dem Vater nach. Auch er malte oft in gestischem Farbauftrag, oft nahe an der Abstraktion, ohne dabei die Form zu verlieren. Dabei liegt sein Augenmerk ganz auf der Wirkung der Farbe. Die Liebe zum Kleinformatigen teilte er mit Hesse Senior. Erst in den Fünfziger- und Sechzigerjahren löste sich Bruno Hesse zunehmend vom Stil des Vaters.

Mit knapp 140 Werken und zahlreichen Briefen ist die Ausstellung opulent bestückt. Neben Aquarellen sind auch Radierungen, Holzschnitte, Tusche-, Bleistift- und Federzeichnungen ausgestellt. Zu verdanken ist das Hermann Hesses Enkel Simon, der an der unteren Saar lebt und das Konvolut aus dem Familienbesitz zur Verfügung gestellt hat.

„Kahler Baum im Frühling“ (1924), ein Aquarell von Hermann Hesse. Foto: Hermann Hesse Editionsarchiv/Volker Michels

Bis 17. November (Di-So: 14-18 Uhr).