Künstlerisches Recycling mit Schallplatte und Häkelnadel

Albstadt/Köllerbach · Das Köllerbacher Künstler-Ehepaar Katharina Krenkel und O. W. (Markus) Himmel hat im „Jungen Kunstraum“, dem Kinder- und Jugendmuseum der Kunstgalerie Albstadt auf der Schwäbischen Alb, eine „Collage“ aus eigenen Arbeiten und Werken aus dem Museumsarchiv zusammengestellt. „Second Life“ heißt die Schau, die Altes und Neues kreativ verbindet.

 Krenkels Häkel-Skulptur „Die Erde ist eine Decke“ korrespondiert hier mit Landschaftsgemälden u. a. von Erich Heckel. Foto: Niels Carstensen

Krenkels Häkel-Skulptur „Die Erde ist eine Decke“ korrespondiert hier mit Landschaftsgemälden u. a. von Erich Heckel. Foto: Niels Carstensen

Foto: Niels Carstensen

Als Katharina Krenkel an "Die Erde ist eine Decke" arbeitete, dachte sie an so manches, sicher aber nicht an Erich Heckel oder seinen "Hohenstaufen". Und doch: Die gehäkelte Tischdecke, die das Höhenprofil der Erde wiedergibt, und das Gemälde, das die Schwäbische Alb zeigt, korrespondieren miteinander, als hätten die Köllerbacher Häkelkünstlerin und der Maler vom Bodensee sich abgesprochen. Dunkles und helles Grün werden durchbrochen von geschwungenen Flächen in Gelb und Orange, und wo bei Krenkel das weiß-blaue Meer beginnt, geht bei Heckel die Verblauung des Hintergrundes in den weiß-blauen Himmel über. Ein Zufall? Sollte man meinen. Doch Krenkel und ihr Mann O. W. (Markus) Himmel haben in ihrer gemeinsamen Schau im Jungen Kunstraum der Galerie Albstadt auf der Schwäbischen Alb eine riesige "Collage" aus eigenen Arbeiten und Werken des Museumsarchivs zusammengestellt, die allesamt irgendwie in Dialog zueinander treten. Dabei besteht die Kunst der Saarländer aus alten Schallplatten, Videoband, Wollresten, Schokoladenpapier oder Konservendosen - aus Weggeworfenem, dem neues Leben eingehaucht wurde. "Second Life" heißt deshalb die Schau.

Über einen Steg aus Einwegpaletten betritt der Besucher den Raum, überquert ein wogendes "Meer" aus 10 000 Schallplatten und wird vom "Wellenrauschen" eines Plattenspielers raus aus dem lauten Alltag, hinein in die Ausstellungssituation gezogen. Schallplatten und Obstkisten, die die rückwärtige Wand komplett bedecken, liefern Himmel die Motive für seine Drucke: Logos. Als "Deutsche Pop Art - now und roh" bezeichnet er sie selbst. Der 48-Jährige ist vor allem von seinen "Kunst-Zuhause-Abenden" bekannt, bei denen er ähnlich wie bei Tupperware-Partys Werke direkt in fremden Wohnzimmern verkauft.

Sein Obstschalen-Logo beispielsweise findet in Albstadt Analogien in einem Früchteteller von Ernst Hassebrauk, die Bananenkisten-Motive in einem Stillleben von Otto Gussmann mit einem Affen auf dem Tischtuch. Neben Krenkels Welt als Decke ragt eine voluminöse Wolke in den Raum - eine gehäkelte Skulptur. "Häkeln gilt in Deutschland mehr als Handwerk denn als Kunst", sagt Krenkel. "Dabei bin ich nichts anderes als eine Bildhauerin. Ich arbeite im additiven Verfahren, nur mit Maschen statt Tonklümpchen." Um die Wolke herum gruppieren sich Malereien, auf denen sich Wolken über die Schwäbische Alb schieben. Dass ihre Werke zwischen denen von Größen der Kunstgeschichte hängen, begeistert die 49-Jährige. "Dass ein Künstler vor 200 Jahren genau wie ich über Wolken gestaunt hat und diesen mächtigen Eindruck wiedergeben wollte, das ist toll." Man finde sich selbst im Lauf der Zeit wieder. Auch der Betrachter kann sich darin verorten: Ausgucke und Fernrohre spielen eine große Rolle und ein Fenster, gerahmt wie ein Gemälde, zeigt den Blick auf die echte Schwäbische Alb - immer neu, immer anders für jeden Einzelnen.

Läuft bis 3. Juli. Di-Sa: 14 bis 17 Uhr und So: 11 bis 17 Uhr.

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