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Konzert mit Madrugada in Luxemburg

Konzert in Luxemburg : Bei Madrugada schwingt der Beckenboden mit

Die norwegische Band Madrugada ist im Atelier in Luxemburg aufgetreten – ein denkwürdiger Abend mit fünf Zugaben.

Was könnte besser auf den plötzlichen und kalten Herbst einstimmen als geballte musikalische Melancholie? Deren komplette Skala beherrscht die Indie-Rock-Band Madrugada aus dem kühlen Norwegen bestens. Eindringlich, leise und sinnlich wabert ihre Musik wie ein Klangnebel durch den Raum und hüllt das Publikum ins Dunkel, ohne in Depressionen abzurutschen. Damit nicht alle zu traurig werden, wandelt sich der Sound auch mal in lauten, kräftigen, melodischen Rock, der sich, wie im epischen „Black Mambo“, in einem satten Gewitter entlädt.

Das Publikum im Luxemburger Atelier begrüßt vor allem die älteren Songs mit viel Applaus, etwa „Only when you’re gone“ zu Beginn oder „Hands up I love you“. Unter den Zuhörern sind augenscheinlich viele Fans der ersten Stunde. Als ihr erstes Album „Industrial Silence“ 2000 erschien, war die Band zwar recht erfolgreich, galt aber einige Zeit eher als Geheimtipp. Nach dem Tod des Gitarristen Robert Buras wurde es ab 2010 still um Madrugada; ihre zeitlosen Alben aber wurden weiter gehört und gekauft. Also wurde 2018 eine große Comeback-Tournee angekündigt – und von der Corona-Pandemie unterbrochen.

Nun sind sie wieder unterwegs, mit ihrem fünften Album „Chimes at midnight“. Auch wenn Madrugada Stadien füllen können, wie vor wenigen Tagen in Athen, spielt die Band am liebsten kleine Club-Konzerte, bei denen ihr Sound intensiv wirkt. Dafür eignete sich auch der intime Rahmen des gut besuchten Atelier in Luxemburg wieder einmal hervorragend.

Konzert mit Madrugada in Luxemburg
Foto: Nicole Bastong

Unspektakulär schlicht sind Besetzung und Show aufgebaut: Im Kern als Trio angelegt (Sänger Sivert Høyem, Bassist Frode Jacobsen und Drummer Jon Lauvland Pettersen), hat die Band auf Tour Unterstützung von den befreundeten Musikern Cato Salsa und Christer Knutsen. Sie rollen einen weichen, dicken Klangteppich aus, untermalt von wirkungsvollem Lichteinsatz. Und dann kommt die unverwechselbare Stimme von Sänger Høyem – so tief, dass sie selbst den Beckenboden zum Schwingen bringt.

Sein durchdringender Bariton ist die tragende Säule von Madrugada. Lässig und gleichzeitig ziemlich heiß bringt der kahlköpfige, schlanke Hüne mit seinem kühlen Charme einige Frauen zum Kreischen. Nach zwei Stunden sattem Rock, inklusive fünf Zugaben und einiger ehrlicher Dankeschöns, entlässt Madrugada ein betörtes Publikum summend in die dunkle Herbstnacht.