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Kommentar zu den Hüttenplänen 2021

Kommentar zu den Hüttenplänen 2021 : Cool, clever und pragmatisch

Da traut sich einer was, tritt in die Fußstapfen seines Vorgängers – und marschiert schnurstracks in eine andere Richtung. Auch Ralf Beil, der neue Chef des Weltkulturerbes,  macht in Populärkultur, beschäftigt sich in seinem ersten Großprojekt mit Musikvideos.

Und zeigt: Er ist ähnlich  instinktsicher wie der langjährige Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig, was Massengeschmack und Werbewirksamkeit angeht. Grewenig bediente das Fernweh und die Luxus-Sehnsucht  der älteren Generation mit „Inka Gold“-Projekten: fremde Kulturen, geheimnisvoller Glanz. Auch Beil wirft mit der Speckschwarte nach möglichst vielen Mäusen – heute sind es die Youtuber des 21. Jahrhunderts, inklusive der (sehr) Jungen. Die gehörten bisher nicht zur Stammkundschaft der Hütte. Cool ist das, clever, man sieht es mit Respekt – vor allem aber auch mit Vorfreude. Weil trotz der volksnahen Themenwahl mit einer Steigerung der intellektuellen und wissenschaftlichen Flughöhe gerechnet werden  darf. Das versprechen Feuilleton-Texte über Beils Projekte in anderen Museen.

Ein bemerkenswertes Signal ist zudem, dass der neue Chef kein „reines“ Industriekultur-Thema in sein erstes Jahr setzt.  Er hat also den Mumm und das Selbstbewusstsein, die Erwartungen all jener zu unterlaufen, die die Programmpolitik seines Vorgängers Grewenig als „beliebig“ verdammten und die Würde des Ortes einklagten.  „Die Geschichte der Hütte“ hebt sich Beil eben für die Nach-Corona-Zeit auf. Er handelt pragmatisch, nicht ideolgisch oder in vorauseilendem Gehorsam. Chapeau.