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Dirigent Siegfried Köhler gestorben: „König der Einspringer“ und Bank fürs Saar-Theater

Dirigent Siegfried Köhler gestorben : „König der Einspringer“ und Bank fürs Saar-Theater

Der frühere Saarbrücker Dirigent Siegfried Köhler ist mit 94 Jahren gestorben.

Manche Namen bleiben, selbst wenn sein Träger längst weitergezogen ist. Siegfried Köhler, einst Generalmusikdirektor an der Saarbrücker Bühne, vor gut 50 Jahren, als die noch längst kein Staatstheater war, gehörte zweifellos dazu. „Der Köhler“, erinnern sich die älteren unter den Theatertreuen gern in einer Mischung aus Bewunderung und auch Erheiterung. Weil der Dirigent, der jetzt im Alter von 94 Jahren in Wiesbaden gestorben ist, auch ein Charakterkopf war, mit Sinn für die kuriosen Momente. Seine Autobiographie „Alles Capriolen“ macht ihrem Titel jedenfalls Ehre, erweist sich auch als Fundgrube des Anekdotischen.

 Die Ernste Musik nahm Köhler ernst, blieb dabei aber heiter. Untrennbar ist sein Wirken hier mit der Ära Hermann Wedekind verknüpft, von 1960 bis 1975 war der Intendant in Saarbrücken. Aber mit einem Sendungsbewusstsein ausgestattet, das bis nach Georgien reichte. Eigentlich unvorstellbar in diesen braven Zeiten jetzt, was damals am Theater alles versucht – und auch gemacht wurde.

Siegfried Köhler wagte sich beispielsweise nicht nur an den „Ring“, Wagners Riesenwerk und Kraftakt für jedes Haus. Man verpflichtete überdies dazu nicht einen Gast, vertraute ganz auf seine Sänger. „Das soll uns ins Saarbrücken heute mal einer nachmachen“, freute sich Köhler vor einigen Jahren in einem Interview immer noch diebisch. Wohl wissend, dass sich keine Bühne heute mehr sowas zumuten will.

 Konzertfest 1986  in Saarbrücken: Köhler (l.) mit Catarina Ligendza und Siegmund Nimsgern.
Konzertfest 1986  in Saarbrücken: Köhler (l.) mit Catarina Ligendza und Siegmund Nimsgern. Foto: Julius C. Schmidt

 Köhler, 1923 in Freiburg geboren, studierte auch in seiner Heimatstadt. Die Harfe war sein Hauptinstrument. Nach drei Jahren im Krieg ging es mit Kapellmeister-Stellen los: Freiburg, Düsseldorf. Dann von 1964 bis 1974 Saarbrücken, wo er auch an der Musikhochschule lehrte. Das Staatstheater in Wiesbaden schloss sich an, 14 Jahre lang, bis Köhler, beinahe 70, noch „Königlicher Hofkapellmeister“ der Stockholmer Oper wurde. An wievielen Dirigentenpulten er als Gast stand, fasst keine Statistik. „König der Einspringer“ nannte man ihn, weil er immer eilte, wenn ein guter Dirigent gebraucht wurde. Im Saarland dirigierte Siegfried Köhler, der unter anderem auch ein Musical mit dem hübschen Titel „Sabine, sei sittsam“ komponierte, auch immer wieder gern. Bei Klassik am See oder bei Festkonzerten des hiesigen Richard-Wagner-Verbandes, dessen Ehrenmitglied Köhler war.