Klischeehafte „Werkstatt der Schmetterlinge“ bei den Überzwergen

Klischeehafte „Werkstatt der Schmetterlinge“ bei den Überzwergen

Ein Stück mit dem Titel „Die Werkstatt der Schmetterlinge“ – klingt das nicht idealtypisch nach Kinderstück? Das Wort „Werkstatt“ mag Assoziationen an Bastelstunden wecken. Das würde erklären, wieso sich im Theater Überzwerg trotz Altersempfehlung (5+) gestern viele jüngere Kita-Kinder zur zweiten Aufführung einfanden.

Der Text von Gioconda Belli, als Kinderbuch mit Illustrationen von Wolf Erlbruch berühmt, ist erst einmal eine alternative Schöpfungsgeschichte. In der imaginierten Welt der chilenischen Feministin sind es statt Gott oder Evolution "Gestalter", die Tiere und Pflanzen erfinden. Nach strengen Regeln, überwacht von einer "weisen Alten". Der junge, leidenschaftliche Rodolfo will diese Regeln brechen, um Ideal-Wesen zu "gestalten": Sie sollen fliegen können wie Vögel und so lieblich sein wie Blumen. Stephanie Rolser, die die Vorlage dramatisierte und als Ein-Personen-Stück plus Musiker inszenierte, hat noch etwas dazu erfunden: Sie führt uns als Rahmenhandlung in ein Museum, dessen Wärter über die Schwerverständlichkeit und mangelnde Schönheit zeitgenössischer Kunst lamentiert. Ein völlig unnötiges Kunst-Bashing!

Gekleidet in einen braunen Retro-Spießer-Look der 60er, gibt Gerrit Bernstein Rodolfo als Künstler in der Schaffenskrise. Von einem Hund erfährt er dann die Lösung: Nicht zu viel grübeln und erzwingen, lieber drüber schlafen, dann kommt die Inspiration. Guter Tipp für den Kindergarten? Die steile These, dass Schönheit auf Anhieb überwältigen muss, löst die Regie nicht ein. Rodolfos Prototyp ist unschwer als geköpfte Propeller-Elfe aus dem Spielzeugladen zu erkennen, das Endmodell nicht mehr als ein Disco-Kugel-Effekt. Das erhoffte Staunen vermag eher der Musiker (Andreas Braun) auszulösen, als er einer plumpen Metalltrommel sphärische Klänge entlockt. Und noch etwas ärgert: Sobald Gerrit Bernstein, der als Rodolfo mit starker Präsenz besticht, in weibliche Rollen schlüpft, werden diese zur unfreiwilligen Karikatur. Gioconda Belli hätte da bestimmt eingegriffen, doch die Regisseurin hat offenbar nichts gemerkt.

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