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Berlinale-Wettbewerb: Katastrophen und andere Vorhersehbarkeiten

Berlinale-Wettbewerb : Katastrophen und andere Vorhersehbarkeiten

Berlinale: Mit „Damsel“ und „Black 47“ greifen gleich zwei Wettbewerbsfilme Westernmotive auf. Ganz überzeugen können beide nicht.

Gleich zwei der am Freitag angelaufenen Berlinale-Wettbewerbsfilme spielen mit Westernelementen: „Black 47“ ist ein 1847 in Irland spielendes Rachedrama mit einem einsamen, aufgebrachten Haudegen als Hauptperson. Und „Damsel“ ein skurriles Komödien-Roadmovie, das im wilden Westen angesiedelt ist und seine abgedrehte Handlung rund um Pferde, Colts und die weite Prärie spinnt. Robert Pattinson („Twilight“) mimt darin Möchtegern-Pionier Samuel Alabaster, der einen Geistlichen für die Überraschungsvermählung mit seiner Geliebten Penelope (Mia Wasikowska) anheuert. Die muss erstmal aus Gefangenschaft befreit werden. Dabei ist die toughe Frau nicht halb so sehr in Gefahr, wie es scheint.

David und Nathan Zellner haben in „Damsel“ nicht nur Regie geführt, sondern sich auch selbst Rollen gegeben. Nathan nur eine kleine. David aber mimt die Hauptfigur. Als feiger Priester Parson Henry springt er ein, nachdem der echte Geistliche zu Beginn dem Glauben abschwört, sich bis auf die Unterwäsche auszieht und in die Wüste davonläuft. Das gibt in Sachen Humor die Marschrichtung von „Damsel“ vor. Wenn Penelope gemächlich an einem Mann vorbeireitet, der in einem Weinfass steckt und gerade gehängt wurde, ist das eines der abstrusen Bilder, die nachwirken. Wie die feine Situationskomik des Films. Nachdem er lange mit Witz und dem Aushebeln von Konventionen unterhält, zerfasert er im letzten Drittel.

„Black 47“, der zweite Film mit Westernelementen, läuft außer Konkurrenz. Auch die namhafte Besetzung mit Hugo Weaving, Jim Broadbent und Stephen Rea hebt das Werk des Iren Lance Daly nie über Durchschnitt. Im Zentrum steht der Ire Martin Feeney (James Frecheville), der in Afghanistan für das britische Empire die Knochen hinhielt und nun als Deserteur heimkehrt. Die Kartoffelfäule hat die Ernte vernichtet, über eine Million Menschen sind verhungert, auch Martins Mutter. Sein Bruder wurde von der britischen Besatzungsmacht zum Tode verurteilt, die auch seinen Neffen erschießt und dafür verantwortlich zeichnet, dass seine Schwester im ruinierten Haus erfriert. Feeney startet einen blutigen Rachefeldzug quer durch die soziale und politische Hierarchie Irlands. Aufhalten soll ihn Soldat Hannah (Hugo Weaving), ein Mitstreiter aus Afghanistan-Tagen.

Ein zurückkehrender Held, der gegen die ungerechte Obrigkeit kämpft – die Geschichte wurde schon oft erzählt, „Black 47“ variiert sie kaum. Weaving als altersweiser Ex-Haudegen und Freddie Fox als sein gesetzestreuer Aufpasser spielen stark, aber vergeblich gegen das vorhersehbare Drehbuch an. Dabei hat der Film starke Momente. Für das verarmte Irland findet Kameramann Declan Quinn immer wieder erstaunlich graue, trostlose Panoramen. Brian Byrne schafft dazu einen schweren Sound, in den er immer wieder Dudelsäcke einwebt. Da fühlt man zeitweise, dass der Film von Europas größter sozialer Katastrophe im 19. Jahrhundert erzählt.