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Käfige, Strandkörbe und Dancefloors

Festivalclub Perspectives : Hinter Käfigen, in Strandkörben, auf Dancefloors

Was der neue Festivalclub „Sektor Heimat“ der Perspectives am Saarbrücker Osthafen bietet.

Er dreht seine Runden. Mal blau, mal rot. Lockt Neugierige an. Weist Entschlossenen ihren Weg. Der Leuchtturm steht nicht einfach so im Saarbrücker Osthafen. Er wacht über den neuen Perspectives-Festival-Club direkt gegenüber. Am Silodom, abseits der geschäftigen Innenstadt, hat er ein neues Zuhause gefunden. „Sektor Heimat“ heißt es. Geschaffen hat es das „Institut für urbane Gestaltung“. Eine Gruppe aus Querdenkern, Künstlern, Musikern. Hier treffen Zuschauer auf Künstler. Lauschen zusammen Konzerten. Genießen den Biergarten, tanzen auf einem der fünf Dancefloors. Wer gar nicht heim will, bleibt im gemütlichen Biergarten. Bis Festivalende am Samstag ist er jeden Tag ab 12 Uhr geöffnet.

Den alten Industriebau „Rhenania“ links vom Silodom haben die Musiker erobert. Während der insgesamt sieben Konzerte erfrischt das Team vom „Atelier Bizarre“ Besucher. Mit Getränken und (getreu dem Namen) reichlich Bizarrem. Links neben dem Eingang stehen Schulbänke. Auf einer sitzt ein schwarzhaariger Junge. Sein Kopf ist gesenkt. Die Sportsocken bis in die Kniekehlen hochgezogen. Seine Kleidung: schwarz. „Ich darf nicht mit Viktor spielen. Ich darf nicht mit Viktor spielen. Ich darf nicht mit Viktor spielen“ steht in Simpsons-Manier auf der Tafel vor ihm. Wer ist denn Viktor? „Ich glaub, er sitzt da, ich würd’ ihn lieber nicht stören“, antwortet eine als Mime verkleidete Bedienung und lächelt verwegen. Sie hat Vorsorge getroffen. Viktor sitzt hinter einer Gitterwand. Wie im Käfig. Wem solche Skurrilitäten gefallen, kommt hier auf seine Kosten. Neugierde belohnen die Macher des „Sektor Heimat“ mit fantasievollen Details.

Die „Gebrüder Kalinski“ vom St. Johanner Markt locken Hungrige nach draußen. Auf der Fläche vor dem Hafenbecken haben sie ihren Wagen aufgebaut. Die Currywurst bleibt aber am Markt. Hier setzen sie auf Pulled-Pork-Burger und Pommes-Variationen. Dann hat man wieder die Wahl: Entweder in den bekannten Biergarten oder auf die Palettenmöbel (links) oder rein in eine der riesigen Holzbauten, die an überdimensionale Strandkörbe erinnern (rechts). In ihrem Bauch hat man den besten Blick auf den Leuchtturm, der immer noch seine Runden dreht. Und wenn über den Köpfen ein summendes Geschöpf mit roten Strahlern schwirrt, kann man es sich aussuchen: Entweder ist es eine Drohne. Oder es ist das Ufo, das auf dem Club-Plakat in Weltuntergangsszenario-Manier mitten ins Silodom fliegt. Dann stellt sich aber auch die Frage, wo King Kong ist…