Kabarettist Torsten Sträter zündete ein dreistündiges Programm in der Saarbrücker Congresshalle

Kabarett : Köstlich: Mit Torsten Sträter am Saarbrücker Tresen

Kann man gemeinsam mit 1300 Leuten am Tresen stehen? Sich fühlen, als wäre man mit den besten Kumpels unterwegs und sich an die drei Stunden lang Bauchweh lachen?

Das geht. Wenn der 1301. Gast am Tresen Torsten Stäter heißt. Der Mann mit der schwarzen Schlumpfmütze war am Donnerstag in der ausverkaufen Congresshalle, stand am Stehtisch mit krumpeligem Deckchen und redete sich über Hölzchen zu Stöckchen und wieder zurück. „Das Programm hat einen roten Faden, der erschließt sich Ihnen aber erst nächsten Mittwoch.“

Vielleicht sehen wir das nächsten Mittwoch anders, aber heute würden wir sagen: Sträter ist sich selbst sein roter Faden. „Ich erzähl Ihnen kurz“, setzt er an und landet auf dem Umweg über Thermomix (wer braucht so was?), den „massiven“ Kaffee seiner „Omma“ und das Internet („Für mich war ein Browser früher ein Typ; der duscht“) immer auch bei sich selbst. Mit sympathischer Selbstironie lässt er uns teilhaben an seinen Unzulänglichkeiten, macht Exkurse über Flugangst und Gewichtsprobleme, lässt uns inmitten aller Lustigkeit seiner Geschichten ahnen, wie der Tod seiner Mutter ihn umwarf, und wird darüber für 1300 Menschen zum Freund. Sträter folgt scheinbar keinem wirklichen Konzept. Hat sein elektronisches Buch dabei, das voll ist von seinen berührend-lustigen Geschichten. Gerade mal zwei davon liest er. Zuviel anderes schießt ihm durch den Kopf („Ist für mich lustig heute, mal sehen, wohin das führt“). Sein roter Faden webt ein Zickzack-Muster, fängt gern auch Leute aus dem Publikum ein. Er plaudert mit einem Elfjährigen, tadelt auch mal („Schreiben Sie ruhig ihre Sms zuende, das sieht im Dunkeln kein Mensch“), lässt sich Tipps geben, wo er hier mal hin muss („ans Schloss“).

Darüber wird es später und später. Sträters Lachfältchen werden tiefer, seine Schleifen immer kühner – „Ich erzähl Ihnen kurz, wie’s zustande kam, geht ganz schnell. . . “. Dabei ist er ein guter Beobachter mit tollem Sprachgefühl und herrlichem Ruhrpott-Humor. Beschreibt er Menschen, hat man sie sofort vor Augen („Er ist tätowiert wie die Sixtinische Kapelle“). Man folgt ihm, lacht sich weg, aber sein roter Faden wird auf hohem Niveau gewoben. Als er, es geht schon auf elf zu, uns in Gnaden entlässt („Sie halten sich wacker, aber ihr Gesicht spricht eine klare Sprache“), ertönt aus dem Lautsprecher der Song „All of me“. Alles von sich gibt Sträter natürlich nicht, aber ein großes Stück.

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