Johann Königs Auftritt in Saarbrücken

Johann König in Saarbrücken : „Boah, ist mir langweilig“

Wie wird Donald Trump den Namen von Annegret Kramp-Karrenbauer aussprechen? Eine von vielen Fragen des Komikers Johann König in Saarbrücken.

Komiker mit Niveau haben kein großes Publikum? Die oft gehörte These trifft zumindest nicht auf Johann König zu. Der 46-jährige Westfale schafft es bei jedem seiner Saarbrücker Gastspiele, die Congresshalle fast komplett zu füllen – wie jetzt wieder am Freitag. Und das mit seinem ganz eigenen, teils feinsinnigen, teils brachialen, aber immer intelligenten Humor. Er beobachte die Deutschen sehr oft, meint er etwa, sie liefen ja schließlich frei herum. Und manche von ihnen sähen so aus, als sprächen sie mit der schmalen Kante einer Tafel Schokolade. Das ist so einer der typischen Sprüche, mit denen König die Absurditäten der heutigen Zeit auf die Schippe nimmt.

Oft setzt er geschickt Pausen, um dann das Gegenteil dessen zu sagen, was das Publikum nun erwartet. Etwa: „Meine Frau hat jetzt ihre Ernährung umgestellt – seitdem hat sie viel mehr… Hunger!“. Nach der Aufzählung der wenig appetitlichen Lebensmittel der neuen Diät meint König, er unterstütze seine Frau dabei „knallhart“ – indem er ihr nichts davon wegesse.

Ein Motiv von König ist, dass er so tut, als habe er eigentlich gar keine Lust auf das Ganze. Mit einem monotonen „Schön, dass ihr noch hier seid“ begrüßt er nach der Pause das Publikum. Er habe kurz überlegt – aber da habe ihn schon der Veranstalter aus dem Taxi gezogen. Ein „Boah, ist mir langweilig“ sagt er an anderer Stelle, und zur Zugabe erscheint er mit einem missgelaunten „Ey Leute, was soll das?“.

Ebenso wenig Spaß scheint ihm das Familienleben zu bereiten. Seine Frau ginge jetzt schon seit einem Jahr in Paartherapie. Er sei nur einmal mitgekommen, da hätten sich der Therapeut und er über Fußball unterhalten. Aber auf die Frage „Wer ist der Trainer des 1. FC Nürnberg?“ habe nur seine Frau die richtige Antwort gewusst. Das sei doch „Inselwissen“, regt sich König auf.

Und überhaupt: Das Geheimnis einer langen Ehe bestehe darin, dass man sich nicht trennt. Bekanntschaften kann man heute ja auch im Internet schließen, und so kommt König auf jene von Übersetzungsprogrammen herrlich absurd formulierten E-Mails zu sprechen: „Ich mochte wirklich Sie zu locken. Ich war ein bad Mädchen und verbrachte meine Mittagspause – Punkt!“, habe beispielsweise in einer solchen Nachricht gestanden. Da sei es nicht einfach, eine Antwort in ähnlichem Duktus zu formulieren – „Ich bin ein gewohnlicher einsames Mann.“

Politik ist eigentlich nicht Königs  Sache, aber diesmal kommt er im Saarland nicht drumherum: „Na, freut ihr euch über Annegrets Sieg?.“ Er selber freue sich am meisten auf Donald Trumps Versuch, den kompletten Namen der neuen CDU-Chefin auszusprechen. Dann tanzt der Komiker mit einem Hula Hoop-Reifen, singt eine Parodie auf Revolverhelds „Immer noch fühlen“ und erzählt noch eine irrwitzige Geschichte, in der er einem Rollstuhlfahrer begegnet, der sich als jener Pizzabote entpuppt, den König schon im ersten Teil erwähnt hatte, als er ihn von der Straße abdrängte. Und dann ist sie auch schon vorbei, die Show mit dem Titel „Jubel, Trubel, Heiserkeit“. Kein bisschen langweilig.

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