Jeff Lynne’s ELO neue CD "From Out of Nowhere"

CD-Kritik : Großer Stadionrock, der es schafft, intim zu klingen

Nein, die britische Band ELO um Mastermind Jeff Lynne hört man nicht, weil man musikalische Innovation erwartet, überraschende Tempowechsel oder sich dem Zeitgeist anbiedernde Feature-Künstler. Mit dem erst dritten Album seit 1986 und unter der Firmierung Jeff Lynne‘s ELO – statt Electric Light Orchestra – meldet sich Jeff Lynne mit „From Out of Nowhere“ zurück.

Da ist musikalisch alles auf den Punkt gebracht.

Das große alte, in aller Ehren ergraute Raumschiff der Rockpop-Klassik-Musik hat den künstlerischen Höhenflug schon einige Zeit hinter sich – und ist sich dessen voll bewusst. Statt also krampfhaft zu versuchen, einen „Last Train to London“ zu erwischen oder der „Time“ hinterherzuhecheln, veröffentlicht man lieber das, was man kann: Großen Stadionrock mit durchdachten Melodien und aufwendiger Produktion, der es dennoch schafft, intim zu klingen. Die typische Snare scheppert im Viervierteltakt vor sich hin. Die E-Gitarre schiebt das Liedthema vor sich her, die akustische untermalt die Rhythmik, der typische ELO-Chor doppelt den Refrain. Zwischendurch hangeln sich die Streicher in den Balladenhimmel und eine Pauke ertönt – der Klassikanteil ist also auch vorhanden. Der bald 72 werdende Jeff Lynne spielte übrigens quasi alle Instrumente selbst und produzierte auch so ziemlich im Alleingang.

Das Material auf dem Album spielt nicht in der gleichen Liga wie die großen Klassiker aus den 70ern („Roll over Beethoven“, „Don‘t bring me down“, „Xanadu“). Doch Lieder wie der hyper-eingängige Titeltrack, das beschwingt-reduzierte „All My Love“ oder der kurze Rocker „One More Time“ überraschen vor allem mit ihrer großen Spielfreude, die auch in jeder weiteren Sekunde  des Albums durchklingt. Schlauerweise ist auch keines der zehn Lieder wesentlich länger als dreieinhalb Minuten, wodurch die 32 Minuten Gesamtlaufzeit in einem sehr unterhaltsamen Rutsch dahinfließen.

Jeff Lynne’s ELO: From Out of Nowhere (Big Trilby/Columbia/Sony)