Jazz-Gitarrist Ro Gebhardt spielte mit Amby Schillo in Neunkirchen.

Jazz-Konzert in der Stummschen Reithalle Neunkirchen : Vater, Sohn und zwei gute alte Freunde

Jazz-Gitarrist Ro Gebhardt lud zu seinem Konzert in Neunkirchen nicht nur die Kollegen Amby Schillo und Armindo Ribeiro ein, sondern auch erstmals seinen elfjährigen Sohn Alec.

Wer den Begriff „saarländischer Gitarrist“ googelt, landet hauptsächlich bei drei Namen: Thomas Blug im Pop/Rock-Bereich, Michael Marx, was Folk und Akustikgitarre betrifft – und Ro Gebhardt, der die Bereiche Jazz und Bossa Nova bedient. Der umtriebige Neunkircher gab praktisch schon auf der ganzen Welt Konzerte und wurde kürzlich für sein Lehrbuch „Jazz-Alphabet – Jazz-Improvisationen für alle Instrumente“ mit dem Deutschen Musikeditionspreis 2018 ausgezeichnet. Am Freitagabend hatte der Saitenvirtuose ein Heimspiel in der Stummschen Reithalle.

Ursprünglich habe er den Auftritt ja alleine spielen wollen, aber dann sei die Gage so hoch gewesen, dass er noch ein paar gute Freunde fragen konnte, leitete Ro Gebhardt das Konzert schmunzelnd ein. Mit dem saarländischen Musikszenen-Urgestein Amby Schillo verbindet Gebhardt schon eine längere musikalische Partnerschaft. Seit einiger Zeit tritt er auch gerne mit dem Deutsch-Portugiesen Armindo Ribeiro auf. Relativ neu ist jedoch, dass der Gitarrist sich den eigenen Nachwuchs einlädt: Gebhardts  elfjähriger Sohn Alec spielte bei einigen Nummern einen soliden und für sein Alter erstaunlich flinken Bass.

Zunächst jedoch stand der 55-Jährige allein auf der Bühne, und zwar nur mit seiner Akustikgitarre, die er auch im zweiten Set nicht gegen eine elektrische austauschte. Mit einer ausladenden Version des Bossa Nova-Klassikers „Manhã de carnaval“ begann Gebhardt das Konzert: Das Stück zerpflückte er und setzte es neu wieder zusammen. Er packte ein paar Blue Notes hinein, improvisierte über die Harmoniefolge und fuhr die Lautstärke so nach unten, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.  Roland Gebhardt holte hier schon das Maximum an Variationen aus seinem reichhaltigen Baukasten heraus. Anschließend lud er zum Quiz ein, welche Stücke nun zu hören wären. Das war nicht so schwer, handelte es sich doch ausschließlich um bekannte Beatles-Kompositionen wie „Yesterday“ und „Let it be“. Bei letzterem Titel spielte Gebhardt eine Akkordsequenz ein, die anschließend von der Elektronik wiederholt wurde. Gelegenheit für ihn, den Gang durch den dunklen Saal zu wagen und einzelne Besucher mit Sololäufen zu „bespielen“. Auch im folgenden Tango mit vielen Elementen des Zigeunerjazz begleitete sich der Virtuose selbst und überzeugte als Solist.

Dann kam Ribeiro hinzu, der seine klare und tonsichere Stimme sowie sein Akkordeon zu den Bossa Novas „Girl from Ipanema“ und „Wave“ beisteuerte. Die Quartett-Formation des zweiten Sets widmete sich mehr dem Jazz. Demnächst plane er ein „Drei-Generationen-Konzert“ mit ihm, Sohn Alec und Amby Schillo als „Drittjüngstem“, kündigte Ro Gebhardt an. „Spain“, „The Chicken“ oder „Billie’s Bounce“ lauteten die Titel in diesem Teil, wobei vor allem in Erinnerung blieb, dass sich ein Elfjähriger bravourös durch diese anspruchsvollen Nummern kämpfte.

Weihnachtliche Stimmung in der Stummschen Reithalle kam schließlich bei der Zugabe „Let it snow“ auf. Sie passte gut zum Fest der Liebe und der Familie. Die knapp 90 Zuhörer in Neunkirchen  spendeten viel Applaus.

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