Indie-Pop-Mann Bosse gab in der Saarbrücker Garage ein mitreißendes Konzert

Konzerte : Der kleine Derwisch, der ein großes Emotionsbündel ist

„Oh, es ist so schön bei euch“: In der Saarbrücker Garage gab der Indie-Pop-Musiker Bosse am Mittwoch ein fulminantes Konzert.

Irgendwie muss er schon ein Frauenliebling sein, dieser Axel Bosse mit seiner eher überschaubaren Körpergröße, dem schütteren Haar und dem Schweiß, der ihm während eines Konzerts aus allen Poren tropft: Wie kann es sonst sein, dass seine Songs hörbar hauptsächlich von weiblichen Stimmen mitgeschmettert werden, so wie das am Mittwoch in der ausverkauften Saarbrücker Garage war? Auch sichtbar lag der Anteil weiblicher Konzertbesucher weit über 50 Prozent, und das, obwohl Bosse nun kein echter Beau ist.

Da muss es also andere Gründe geben. Vielleicht, weil der 39-Jährige so ein knuffiger Typ ist, so voller Energie steckt, weil er von der ersten Sekunde an wie ein Derwisch über die Bühne wirbelt und zwischendurch auch mal eine Ballade anstimmt. Ein echtes Emotionsbündel eben und gleichzeitig auch der nette Typ von nebenan. Mit der Garage hatte es im Vorfeld einiges Hin und Her gegeben, das erklärte der Sänger zu Beginn des Konzerts. Eigentlich war er immer dort aufgetreten (anfangs noch im Kleinen Klub vor zehn Zuhörern), doch aufgrund der wachsenden Popularität wurde das Konzert in die Saarlandhalle verlegt. Dann jedoch gestaltete sich der Vorverkauf nicht ganz wie gewünscht, also ging die Planung wieder zurück, nach dem Motto: Besser eine ausverkaufte Garage als eine halbvolle Saarlandhalle. Das war rein atmosphärisch sicherlich die richtige Entscheidung, außerdem schwitzte so nicht nur Bosse, sondern auch seine Fans.

Aus unerfindlichen Gründen behielt der Sänger seine Jacke bis zum Schluss an, dabei sang er doch selbst „Zieh deine Regenjacke aus“ im Song „Tanz mit mir“. Der Titel heizte ordentlich ein, ebenso wie „Alles ist jetzt“, oder der am Disco-Stil angelehnte Hit „Augen zu, Musik an“. Als Bosse von seiner Jugend erzählte und von den Schwierigkeiten, jemand Gleichgesinntes auf dem Land zu finden, wusste das Publikum, dass nun „Schönste Zeit“ kommen würde, der nostalgische Rückblick auf die jungen Jahre des Sängers in den Neunzigern. Die von Neil Young eingebaute Liedzeile ließ er vom lautstarken Chor singen – und wiederholte diese Prozedur am Ende des Songs noch einmal, weil sich die Stimmung in der Halle auf dem Höhepunkt befand.

„Oh, es ist so schön bei euch“, entfuhr es Bosse da. Dass das Saarbrücker Publikum eine besonders starke positive Resonanz von sich gab, bestätigte auch die Berliner Songschreiberin Dota Kehr, die Bosse ins Vorprogramm genommen hatte und die im Mai wieder in die Garage kommt: „Gestern in München war es nicht so.“

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