In Dresden wurde Frank Nimsgerns Musical "Der Mann mit dem Lachen" uraufgeführt

Frank-Nimsgern-Musical : Wenn Frank Nimsgern auf Victor Hugo trifft

In Dresden wurde das Musical „Der Mann mit dem Lachen“ des saarländischen Komponisten uraufgeführt.

Der scheidende Intendant der Staatsoperette Dresden Wolfgang Schaller setzt nicht nur auf Operette, bestimmte Opern und auf bewährte Musicals, sondern hat für seine letzte Spielzeit sogar ein neues in Auftrag gegeben, das jetzt uraufgeführt wurde. „Der Mann mit dem Lachen“ geht auf Victor Hugos historischen Roman „L’homme qui rit“ zurück. Buch und Dialoge hat Tilmann von Blomberg adaptiert, Alexander Kuchinka hat die Gesangstexte beigesteuert und Frank Nimsgern die Musik komponiert. Nimsgern, der an diesem Samstag 50. Geburtstag feiert, hat am Saarländischen Staatstheater, angefangen mit „SnoWhite“ über „Phantasma“ bis zur „Rocky Horror Show“, einige erfolgreiche Musicals auf die Bühne gebracht.

Der Titel des neuen Musicals klingt irgendwie nach Mann mit der Maske. Der Inhalt ist nur komplizierter. Dafür gibt’s der Außenseiter den Royalisten am Ende so richtig: „Ich bin das Volk“ singt der Titelheld, der von den Zeitgenossen als Monster oder Freak wahrgenommen wird, weil man ihm als Kind ein ewiges Lachen ins Gesicht operiert hat. Dennoch kommt er durchweg als Sympathikus rüber. Der ist auch nicht mehr entstellt, als manch ein Stammkunde der Tatoo-Studios von heute. Der Held ist ein von Amt und Erbe in Elend und Armut verbannter englischer Lord. Er war vom richtig fiesen Finsterling im Stück, Barkilpherdro, an Kinderhändler verkauft worden. Zum jungen Mann herangewachsen, will der ihn jetzt als Peer reaktivieren und zum Schein mit der eigenen Geliebten verheiraten. Alles nur, damit die beiden an sein Land und Geld kommen.

Das Oben und Unten ist klar verteilt. Die urige Königin Anne Stuart und ihr arroganter Adel hier; das (Gaukler-)Volk dort. Der Held wechselt für kurze Zeit den Stand und lernt die dekadente Oberschicht im Schnellkurs von innen kennen. Der als Gaukler groß gewordene Gwynplaine ist natürlich in der Lage, von jetzt auf gleich auf Lord umzuschalten. Man hat’s halt im Blut. Dazu gibt’s auch noch die obligate Liebesgeschichte für genregemäße Ausflüge in Herz-Schmerz-Sphären. Natürlich muss ein Bühnenplot raffen und Dinge auf den Punkt bringen. Aber muss es so hanebüchen sein? Wenn Gwynplaine vor Königin und Oberhaus eine Rede hält, die quasi ein Revolutionsmanifest ist, sich dabei in einen Ich-bin-das-Volk-Rausch steigert und hinter ihm alles, was die Weltgeschichte so an Revolutionen zu bieten hat, im Video-Schnelldurchlauf zu sehen ist, läuft das Fass mit der Kitschgefahr dann über. Das liegt vor allem am Text. In seinem Eifer, einer eigentlich spannenden Geschichte aus alten Zeiten, die allemal für Mantel-und-Degen-Filme und Musicals taugen, beizukommen, rutscht der allzu oft in eine banale Gute-Zeiten-Schlechte-Zeiten-Rhetorik ab.

Dirigent Peter Christian Feigel bewährt sich im Graben als Spezialist für das Genre, vermisst die musikalische Meterware routiniert und sorgt dafür, das die immer mal wieder eingeschobenen Anspielungen auf Purcell oder Händel und deren Bläserglanz auffallen. Gegen die szenische Verpackung von Regisseur Andreas Gergen ist nichts einzuwenden. Die Bühnenoptik hat das richtige Maß an Historie. Das Tempo der Verwandlungen stimmt. Das Publikum war einverstanden. Immerhin.

Mehr von Saarbrücker Zeitung