In der HBK-Hochschulgalerie zeigen Teilnehmer ihrer Abendschule für Fotografie ihre Bilderserien

Ausstellungen : Es muss nicht schön sein, aber hintergründig

Die Saarbrücker HBK-Galerie zeigt in einer Werkschau einen Querschnitt der dokumentarischen Serien ihrer Abendschule für Fotografie.

Fünf Jahre hat es gedauert, ehe sich die Fotografie-Abendschule der Saarbrücker HBK (Hochschule der Bildenden Künste) nun erstmals mit einer eigenen Ausstellung in die Öffentlichkeit gewagt hat. Sieht man sich nun die teils bemerkenswerten Ergebnisse in deren Hochschulgalerie an, fragt man sich: Weshalb diese Zurückhaltung? Weil der Weg zu einer nicht im Anekdotischen oder ästhetisch Vordergründigen steckenbleibenden, seriellen dokumentarischen Fotografie – das ist zumindest der Anspruch aller ausgestellten Arbeiten – lang ist und permanente kritische Selbstkorrektur verlangt. Tragfähige fotografische Themen und Serien fallen einem nicht zu und bedürfen mehr als nur Ausdauer und ein Schulen des Auges. Wo so etwas wie Originalität in Sichtweite sein soll, bedeutet es Arbeit.

Als der in Saarbrücken lebende Fotograf André Mailänder, der an der Dortmunder Fachhochschule Fotografie studierte, zusammen mit Thomas Rössler – mit dem Mailänder auch das visuelle Bildarchiv „Pixxelkult“ betreibt – seinerzeit die Fotografiekurse an der HBK-Abendschule aus der Taufe hob, war es daher auch sein Prinzip, die Kursteilnehmer das Medium Fotografie analysieren zu lehren. „Bilder müssen nicht schön sein, aber Bedeutung in sich tragen“, sagt Mailänder. So unterschiedlich die gezeigten 14 Werkgruppen hinsichtlich Bildsprache, Gestus und Komposition auch ausfallen, alle folgen sie einem seriellen Ansatz, der mehr sein soll als ein rein summarisches Addieren von Einzelfotos. Dass Reduktion und Klarheit auf dem Weg zu innerer Kohärenz ein probates Mittel sind, lösen etwa die acht Schwarzweißaufnahmen des früheren Leiters der Homburger Anatomie, Kurt Becker, ein. In kühler Strenge zeigen sie seinen früheren Arbeitsplatz, den Präpariersaal: Man sieht Abfluss- und Waschbecken oder einen Seziertisch. Details als pars pro toto. Auch Beate-Helena Wehrles Schwarzweißserie „Formsache“ schält einzelne Elemente (im Wesentlichen Hautfalten) aus einem Körperganzen und hinterfragt dabei, wie es in einer Selbstbeschreibung ihrer (eigenwillig gehängten) Arbeit treffend heißt, „die Abgrenzung von Schönheit und Makel sowie von Erotik und Obszönität“. Überhaupt gehören die auf Farbe verzichtenden Arbeiten zu den prägnantesten. Die auf Gefühlsmalerei verzichtende Sachlichkeit in Lisa Grubs Blicken auf das einstige elsässische Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, die Grub in einem ausliegenden Fotobuch kondensiert hat, etwa stoßen gerade durch ihre gestische Zurückhaltung einen umso größeren Echoraum auf.

Eine der thematisch interessantesten Erkundungen ist Dorothea Essigs Leerstellen-Dokumentation. In Berlin hat sie Orte aufgesucht, an denen zu DDR-Zeiten riesige Statuen, Wandreliefs oder Büsten Lenin zeigten. Kleine historische Foto-Beigaben weisen ihren früheren Standort aus, während Essigs Aufnahmen ihr Verschwinden offenbaren. Während Ex-Unipräsident Volker Linneweber Museumsaufseher in Beirut, Metz und Sydney in den Fokus rückt, widmet sich Christoph Brach in seiner Serie „Spuren“ der zivilisatorischen Asphalt-Brandmarkung unserer Landschaftsräume: Kein Auto trübt Brachs spröden Blick auf die graue Gebärdensprache der gezeigten Fahrbahnschneisen.

Zwischen Mitte 30 und Mitte 70 sind die 14 Fotograf(inn)en. Lehrer, Arzt, Architekt, Krankenschwester, Uni- und Bank-Angestellte(r) waren oder sind sie. Keine(r) nutzte für die ausgestellten Serien noch eine analoge Kamera. Dennoch waren digitale Nachbearbeitungen tabu. „Technische Selbstermächtigungen“, wie André Mailänder das nennt, galten ebenso als Sakrileg wie „knatschbunte Fotobonbons“. Mehrheitlich hat dies den Arbeiten, die (wie bei Anton Schuster oder Andrea Armbrüster) Momenten ein Nachleben bescheren, gut getan.

Foto von Beate-Helena Wehrle aus ihrer Serie „Formsache“. Foto: Beate-Helena Wehrle
Foto von Lisa Grub aus ihrer Serie „Ici Liberté“ über das KZ Natzweiler. Foto: Lisa Grub

Bis 30. März in der HBK-Galerie (Keplerstraße 3-5). Di bis Fr: 17 bis 20 Uhr; Sa: 12 bis 18 Uhr

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