In Australien erhält das Buch eines kurdischen Flüchtlings wichtigen Literaturpreis

Literatur : Prämiertes Flüchtlingsbuch aus SMS-Nachrichten

(dpa) Einer der wichtigsten australischen Literaturpreise geht 2019 an einen kurdischen Flüchtling, der seit Jahren auf einer abgelegenen Pazifik-Insel ausharren muss.

Der iranische Kurde Behrouz Boochani erhielt den Literaturpreis des Bundesstaats Victoria zugesprochen. Er ist ist mit 100 000 australischen Dollar (etwa 63 500 Euro) dotiert. Boochani konnte die Auszeichnung nicht selber entgegennehmen. Er darf die Insel Manus, wo er seit 2013 lebt, nicht verlassen.

Der Asylbewerber bekam den Victorian Prize für Literature für „No Friend But the Mountains: Writing from Manus Prison“ („Kein Freund außer den Bergen: Texte aus dem Gefängnis Manus“). Zudem wurde sein Debüt mit dem Preis als bestes Sachbuch bedacht, dotiert mit weiteren 25 000 Dollar (knapp 16 000 Euro). Nach Medienberichten ist dies die höchste Preissumme, die bislang in Australien für Literatur vergeben wurde. Boochani schrieb das Buch laut Verlag mit SMS-Nachrichten, die er aus Manus an Helfer in Australien schickte. Die Insel gehört zum Nachbarland Papua-Neuguinea. Australien bringt dort seit 2013 Asylsuchende aus verschiedenen Staaten unter, die mit Booten versucht hatten, ins Land zu kommen, aber nicht hereingelassen wurden. Die Bedingungen dort werden von Ärzten und Flüchtlingshelfern als menschenrechtswidrig angeprangert. Australien steht deshalb auch international in der Kritik.