Holdrio again: Otto ist und bleibt saukomisch

Auftritt in Saarbrücken : Holdrio again: Otto ist und bleibt saukomisch

Zoologisch betrachtet sind kotzende Elefanten nicht besonders lustig. Ottologisch gesehen sind sie aber ein Brüller. Seit Jahrzehnten. Deshalb gibt's im Ottifanten-Shop das speiende Rüsseltier als Pin fürs Sakko-Revers, aufs T-Shirt gedruckt und als Magnet für den Kühlschrank. Otto Waalkes ist eben nicht nur der beliebteste deutsche Komiker, sondern auch einer der geschäftstüchtigsten.

Doch könnte man ihm diese Merchandising-Maximierung übel nehmen? Nein, denn Otto ist Otto. Er ist auch mit 68 und über 50 Bühnenjahren - als Elfjähriger legte er mit einem Kurzauftritt in einem Emder Kaufhaus los - das ewige Kind, das partout nicht erwachsen werden will. "Geboren, um zu blödeln", wie mal einer seiner ostfriesischen Landsmänner schrieb.

Otto ist ein Meister des höheren Blödsinns wie der überraschend tiefsinnigen Plattheiten. Harmlos und anarchistisch im atemlosen Wechsel. Und einer, der - wie jetzt wieder an gleich zwei Abenden in der Saarlandhalle hintereinander - Erstaunliches bewirkt. Dass von fünf bis 85 in der Halle alles lacht - das humoristische Generationenmodell schlechthin. Und, dass man plötzlich lauthals Lieder mitsingt, von denen man immer hoffte, den Text nicht zu kennen. Helene, "Hyäne" (köstlicher Gag!), Fischers "Atemlos durch die Nacht" etwa. Oder noch schlimmer: Wolfgang Petrys "Waaaaahnsinn".

Im Grunde ist bei Otto seit den 70er die Zeit eingefroren. Als die erste Otto-Platte ein Sensationserfolg wurde und die Otto-Show den einsamen Höhepunkt des Fernseh-Jahres markierte: auf sämtlichen Pausenhöfen am Morgen danach millionenfach nachgekalauert. Sicher, das Haar ist mittlerweile noch schütterer: "Da sehen Sie jetzt noch mehr Gesicht." Der Otto-Shuffle geht dem Ostfriesen aber immer noch geschmeidig aus den elastischen Beinchen. Auch wenn die Stimme schon mal rau wie ein Nordseesturm tönt. Ansonsten gibt es auch im aktuellen Programm "Holdrio again", eine dezente Evolution unverwüstlicher Ottorismen, immer noch den Englisch-Kurs - allerdings auf die Smartphone-Generation geeicht und "Hänsel- und Gretel"-Parodien. Und wenn ihm eine besonders glückt, freut er sich wie ein Achtjähriger beim Kindergeburtstag. Diese Freude aber ist hart erkämpft. Waalkes ist ein Bühnentier, das keinen Gag verloren gibt. Und immer wieder übermütig die, die unbedingt in der ersten Reihe sitzen wollen, nass spritzt. Kinderzimmerspäßchen auf Eventhallenformat gezoomt? Irgendwie schon. Aber dann läuft ein Einspieler, wie Otto Flüchtlingen beibringt, "Mein kleiner grüner Kaktus" zu singen. Dann schillert sein Humor wieder so subversiv, wie sein einstiger Autor, der großartige Robert Gernhardt, es ihn mal lehrte. Bundes-Innenminister Thomas de Maizière sucht doch gerade mal wieder nach der deutschen Leitkultur: Otto, gehört dazu. Holdrio.