Hört Ihr die Signale?

In der Saarbrücker Stadtgalerie wird heute eine Ausstellung mit Klangkunstarbeiten der international renommierten Soundkünstler Max Eastley und Martin Riches eröffnet. Wir trafen beide beim Ausstellungsaufbau.

Beide lieben die Herausforderung. Beide tüfteln gerne mit Motoren und Magnetismus. Beide mögen transparente Arbeiten, die erkennen lassen, wie sie funktionieren. Und beide zeigen in der Stadtgalerie nun rein akustische Werke: Bei "Two measures of time" kommen die renommierten britischen Soundkünstler Max Eastley und Martin Riches ohne jegliche Verstärker und Lautsprecher aus. Mit dieser Schau knüpft die Stadtgalerie an eine alte, zu Zeiten ihres langjährigen Leiters Bernd Schulz begründete Tradition an und öffnet sich wieder der Klangkunst.

Max Eastley (Jahrgang 1944) und der zwei Jahre ältere Martin Riches sind Klangkunst-Pioniere der ersten Stunde. Sie kennen und schätzen einander seit der gemeinsamen Teilnahme an der ersten englischen Klangkunst-Ausstellung in Bristol 1985. 30 Jahre haben sie sich nicht mehr gesehen, nun hat Andreas Oldörp, Professor für Sound Art an der Hochschule für Bildende Kunst Saar (HBK), sie nach Saarbrücken geholt - für Riches ist es die zweite Ausstellung in der Stadtgalerie. Max Eastley studierte Malerei, Graphik und Kunst und konzipiert Kompositionen für Film, Tanz und Performances, bei denen er schon mit bekannten Musikern und Avantgardisten wie Brian Eno, Peter Cusack oder Peter Greenaway zusammenarbeitete. Im Zusammenspiel alltäglicher Dinge kreiert er analoge Sound-Skulpturen aus einfachen Materialien - äolische Klangkunst, die er draußen etwa als Windharfen betreibt oder im Innenraum durch strombetriebene Installationen erzeugt.

Martin Riches lebt seit 1969 in Berlin. Nach einem Architekturstudium arbeitete er zunächst als Architekt und ab 1978 als freischaffender Künstler. Seitdem entwickelt er interaktive Installationen, kinetische Objekte und Musikmaschinen. Sowohl Eastley als auch Riches sind außerdem als Improvisationsmusiker mit verschiedenen Ensembles aktiv: Eastley, der mit dem weltberühmten Vokalperformer Phil Minton die Schulbank drückte, zupft eine Art einseitigen Teekistenbass; Riches lässt mechanische Maschinen musizieren, für die Komponisten eigens Stücke schreiben, und kooperiert häufig mit dem Kammerensemble für Neue Musik Berlin sowie japanischen Künstlern. Aufführungen seiner Musikmaschinen fanden unter anderem bei den Musiktagen in Darmstadt und Donaueschingen statt.

Bei allen Gemeinsamkeiten: Während Riches auf Technologie, Exaktheit und Berechenbarkeit setzt, arbeitet Eastley mit Instabilität, Zufall und Chaos. Insofern gehen beide, wie der Ausstellungstitel andeutet, völlig unterschiedlich mit dem Faktor Zeit um. Die Stadtgalerie dokumentiert dabei nun mit diversen akustisch-mechanischen Sprach- und Singmaschinen, die teils menschliche und tierische Laute nachahmen, verschiedene Schaffensphasen von Riches. Er wird auch über mehrere Wochen präsent sein, um seine Werke persönlich vorzuführen. Eastley dagegen hat seine fragilen, perkussiven Apparaturen speziell für die Raumakustik der Stadtgalerie konzipiert - ein Spiel mit Material, Berührung, Schwerkraft und Schatten, das feinste Klänge quasi zeichnet und sensible Ohren erfordert.

Ausstellungseröffnung heute um 19 Uhr. Bis 8. Januar