Hochprozentige Volksbelustigung: Doku über Stierkämpfe in Bosnien

Hochprozentige Volksbelustigung: Doku über Stierkämpfe in Bosnien

Etwa hundert Koridas finden pro Jahr in Bosnien-Herzogowina statt - Stierkämpfe, die dort eine jahrhundertelange Tradition haben und bis zu 200 000 Zuschauer ziehen. Sinisa Vidovic' gelungene Wettbewerbsdoku "Korida" zeigt am Beispiel einer Handvoll Korida-Veteranen, welche verbindende Kraft diese Volksfeste in einem Land haben, in dem die Wunden des Bürgerkrieges der 90er längst nicht verheilt sind.

"Die Koridas haben uns vereint", sagt einer der Porträtierten. Doch Vidovic' Film lässt auch Zweifel daran. So erlebt die als "Königin der Koridas" geltende Blondine Renata, deren Stier der große Abräumer bei den Kämpfen ist, dass Unbekannte zwei Handgranaten auf ihr Haus werfen. Die Missgunst scheint tiefer zu reichen, als die hochprozentige Volksbelustigung glauben macht, bei der man Dampf ablassen und der Monotonie des Alltags entfliehen kann. Die Doku lebt von der Intimität mancher Szenen (Renata beim Makeup; der alte Stipe mit seinen Enkeln; der mittellose, mit den Fingern essende Kinija am Küchentisch) und den immer wieder kontrapunktisch gesetzten Zeitlupen kämpfender Stiere (Kamera: Lukas Kronsteiner).

Heute: 17.30 Uhr, CS 2; Fr: 21 Uhr, CaZ; Sa: 15 Uhr, CS 9; So: 11 Uhr, CS 5

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