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Hinter den Kulissen der Saarbrücker Tage für Alte Musik (Tamis): Probenbesuch

Saarbrücker Tage für Alte Musik (Tamis) : Musikalische Feilarbeit vom Feinsten

Tage für Alte Musik (Tamis): Eindrücke von den Meisterkurs-Proben in der Saarbrücker Musikhochschule.

„Wow! Schön! Ich finde, das Konzertprogramm funktioniert sehr gut!“ Peter Van Heyghen ist recht angetan von dem, was ihm die fünf jungen Musiker des Basler VernonConsorts auf Anhieb präsentieren. Aber ein paar Änderungsvorschläge hat er doch. Mit der Stimmung einzelner Instrumente etwa ist er noch nicht ganz einverstanden. Auch gefällt ihm die Sitzordnung der im Halbrund postierten Ensemblemitglieder nicht.

Nach kurzer Überlegung lässt er sie die Plätze tauschen – Unsicherheit macht sich breit. Van Heyghen bittet darum, es einfach mal auszuprobieren und ein paar Takte zu wiederholen: Das Ergebnis gefällt ihm. Auch wie rasch die Musiker seiner Aufforderung nachkommen, die kurzen Zwischenbetonungen deutlicher zu akzentuieren und dadurch mehr rhythmische Textur schaffen, nötigt ihm ein dickes Lob ab: „Ich bin begeistert, wie schnell Ihr das umsetzt! Es macht einen Riesenunterschied – eine ganz andere Welt!“ Nur ein Problem muss für das Abschlusskonzert noch dringend gelöst werden: Zum Wechsel einzelner Instrumente, die in der Mitte des Halbkreises liegen, müssen sich die Musiker immer umständlich zu Boden bücken. Das ist Van Heyghen viel zu unelegant, da müssen Beistelltische her.

Nachmittags im großen Saal der Hochschule für Musik Saar (HfM): Workshop-Leiter Peter Van Heyghen ist seit Stunden voll konzentriert, es ist der erste Tag des viertägigen Meisterkurses für Alte Musik, der alljährlich im Rahmen von Tamis (Tage Alter Musik im Saarland) stattfindet. Die passive Teilnahme und das Zuhören sind öffentlich und kostenlos, dennoch lauscht am Dienstag nur ein einziger Zuhörer – ein älterer Herr, den man bei gefühlt 80 Prozent aller eintrittsfreien Kulturveranstaltungen trifft. Die aktive Teilnahme ist bereits ein Gewinn: Sie ist Bestandteil des Förderpreises Alte Musik, den der Saarländische Rundfunk (SR) und die Akademie für Alte Musik im Saarland seit 15 Jahren ausschreiben, um junge Ensembles auf dem Gebiet der Historischen Aufführungspraxis zu fördern. Dem ersten Preisträger winken obendrein 1200 Euro sowie eine Produktion beim SR, den beiden anderen ebenfalls Geldpreise. Außerdem dürfen sich alle drei Formationen beim Abschlusskonzert präsentieren, das zugleich das offizielle Eröffnungskonzert von TAMIS darstellt – diese Kombination aus Meisterkurs und Förderpreis gilt als einzigartig in der Wettbewerbslandschaft.

 Die Meisterkurse werden von jährlich wechselnden Spezialisten für Alte Musik gehalten, der Belgier Peter Van Heyghen gehört zu den Renommiertesten seiner Zunft. Als Blockflötist, Sänger und Ensembleleiter ist er international gefragt, parallel unterrichtet er die Aufführungspraxis der Renaissance- und Barockmusik an den Konservatorien Brüssel und Den Haag. Die aktuelle Wettbewerbsrunde richtete sich denn auch an Renaissance-Ensembles mit mindestens drei Mitgliedern; die Altersgrenze lag bei 35 Jahren.

Im Rennen sind nun neben dem VernonConsort das ebenfalls aus Basel angereiste Blockflötenquartett Feuervogel und das Trio Fabridoen aus Salzburg, das als einziges nicht rein instrumental besetzt ist: Hier wirkt eine Vokalistin mit, weswegen Van Heyghen im Einzelunterricht auch gerne mal Partien vorsingt. Van Heyghen ist ein freundlicher und achtsamer Kursleiter, der sich ständig rückversichert, ob sich auch wirklich alle mit seinen Verbesserungsvorschlägen wohlfühlen. Meist klebt er mit dem Laptop, auf dem er die Noten einsehen kann, vorne an der Bühnenrampe. Oft flitzt er aber auch durch den Raum und setzt sich weiter nach hinten, um über die Distanz einen breiteren Höreindruck zu bekommen. Ebenso agil wechselt er mühelos ins Englische, weil nicht alle Mitglieder der international besetzten Formationen des Deutschen mächtig sind.

Was fasziniert denn aber nun die jungen Leute an der Alten Musik? „Hier sind nicht die Sänger die Solisten“, meint Sopranistin Jole de Baerdemaeker (Fabridoen): „Alle Stimmen sind gleichberechtigt.“ Genau das, ergänzt Traversflötistin Eva Ivanova-Dyatlova, mache die Alte Musik so modern.

Tamis-Eröffnungskonzert und Konzertfinale Förderpreis Alte Musik: Freitag, 19 Uhr, HfM. Eintritt frei – Kollekte erbeten.
Infos: www.alte-musik-saarland.de