Helmut Eisel ludt zum Workshop "Meet Klezmer" in die Saarbrücker Synagoge

Workshop "Meet Klezmer" : Saarbrücker Schüler treffen auf Kantor, Kippa und Klezmer

Helmut Eisel ludt mit "Meet Klezmer" zum interkulturellen Musik- und Begegnungsprojekt gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.

„Jungs, da vorne sind noch freie Plätze. Setzt euch dahin, dann sind wir alle zusammen“, instruiert der Kantor der Synagogengemeinde Saar, Benjamin Chait, die Schüler der Freien Waldorfschule Saarbrücken-Altenkessel. Zum zweiten Tag des von Helmut Eisel konzipierten Workshops „Meet Klezmer“ – am Tag zuvor fand er mit der Saarbrücker Gemeinschaftsschule Ludwigspark ebenfalls in der Synagoge statt – haben sich 26 musizierende Schülerinnen und Schüler eingefunden.

Und zwar freiwillig. Denn Musiklehrer Hubert Paech hat es den Schülern freigestellt, am Projekt teilzunehmen, woraufhin sich 26 Schüler aus der Mittel- und Oberstufe gemeldet haben. „Schon auch ein bisschen, um nicht in die Schule gehen zu müssen“, räumt die 13-jährige Lea ein. Doch sie seien überrascht, soviel Interessantes über das Judentum erfahren zu haben, erklären sie und ihre Mitschülerinnen aus der siebten Klasse.

In der Tat absolvierte Kantor Benjamin Chait seinen Crashkurs „Judentum“ mit entwaffnender Verve und wird nicht müde, die „coolen Sachen“ wie Kippa, Thorarolle, Menora etc. in umsichtiger Erklärlaune den Schülern näher zu bringen – und ihnen damit einen unverkrampften Einstand nach jüdischem Maß zu bescheren. Dass der arbeitsfreie Schababat dazu diene, die in Zeiten von Facebook und Whatsapp oberflächlich gewordene Kommunikation eingehend zu pflegen und zwar direkt zu seinen Mitmenschen und Gott, ist ihm ein zentrales Anliegen. Ebenso, dass der Workshop „Spaß machen muss“, betont er, bevor er an Helmut Eisel übergibt.

Eisel stellt in gelassenem Ton die beiden von ihm eingeladenen israelischen Gastmusiker Emuna Stein (Querflöte) und Orian Shukrun (Klavier) vor. Es sei eine besondere Erfahrung für sie, lassen die beiden auf Englisch wissen, bevor sie mit Eisel eine Kostprobe ihres Könnens geben und in bester Klezmer-Manier sich gegenseitig mit eindrucksvollen Soli abwechseln und dabei immer Augenkontakt halten.

Das danach im Altarraum postierte Orchester macht es unterdessen den Profis gleich: Unter der Leitung ihres Musiklehrers Paech lassen die Schüler die Synagoge förmlich klingen. Ganze vier Wochen haben die Schüler einmal wöchentlich Eisels Arrangements einstudiert und geübt – und das hört und sieht man anhand der Ergriffenheit der Musizierenden. Ganz im Sinne von Eisels Credo, die Kommunikation mit anderen Mitteln zu forcieren, um interkulturelle und interreligiöse Barrieren abzubauen, agieren die jungen Musizierenden engagiert und wachsen über sich hinaus – ganz besonders die beiden Geschwister-Solisten Lena (Geige) und ihr Bruder Philipp (Cajón).

„Das Improvisieren ist zwar ungewohnt, aber es macht Spaß, wenn man sich traut“, gesteht Manuel an der Oboe. Denn ums Improvisieren geht es in der Klezmer-Musik. Die Musiker spielen sich gewissermaßen die Solo-Partien gegenseitig zu, während das Orchester das Leitmotiv fortführt und damit den Teppich fürs Entfalten ausrollt. „Du kannst nichts falsch machen. Ob schräg oder gut klingend – beides ist gut“, ermutigt Helmut Eisel, der mit der Klarinette spielend durch die Reihen streift und die jungen Musiker zum musikalischen Dialog mit ihm herausfordert.

Es gehe darum, seine Individualität in den Soli auszudrücken, um sich danach wieder in die Gruppe einzugliedern, erklärt er das Ansinnen des Klezmer-Sounds. Neben instrumentalen Stücken bringen die Schüler dann auch ein transkribiertes Acappella-Stück auf Israelisch zum Lob Gottes auf die Bühne. Das große Abschlusskonzert mit allen vier daran beteiligten saarländischen Schulen wird am kommenden Sonntag, 17. März, 18 Uhr, in der Synagoge zu hören sein.

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