Handreichung: Ólafsdóttirs Saarbrücker Skulptur „Duo“

Handreichung: Ólafsdóttirs Saarbrücker Skulptur „Duo“

Selbstbewusste und wenig selbstbewusste Kunst-Gesten.

(cis) Eine "selbstbewusste Geste" wollte die Preisjury 2014 in Sigrún Ólafsdóttirs Skulptur "Duo" erkannt haben. Ehe die nun der Öffentlichkeit übergeben und ihren Platz zwischen zwei Großkaufhausfassaden einnehmen konnte, vergingen zweieinhalb Jahre. Vor allem, weil sich die prüfstatische Genehmigungsprozedur hinzog. Nun aber steht die 2,6 Tonnen schwere Skulptur, die aus zwei rund 20 Meter langen, aneinandergeschweißten Aluminiumbändern besteht, in einer Seitengasse der Saarbrücker Fußgängerzone. Und soll die neue Verbindungsachse zwischen Bahnhofstraße und Berliner Promenade betonen. Ein über dem äußeren Aluband liegendes Gummiband symbolisiert für die in Saarbrücken lebende Isländerin Ólafsdóttir die Schwerkraft. Ob sich das erschließt? Wohl kaum. Eher schon, dass "Duo", dieses fast acht Meter in die Höhe ragende Aluminiumband-Paar, erst durch seine Berührungspunkte stabilisiert wird. Als gewännen beide erst dadurch Halt, dass sie sich die Hand reichen.

Fast zeitgleich mit der Aufstellung der Skulptur hat die Landeshauptstadt ihren Etat für Kunst im öffentlichen Raum (105 000 Euro pro Jahr) wie auch den zum Ankauf von Kunstwerken gestrichen. Die Kommunalaufsicht des Landes hatte dies verlangt. Der saarländische Künstlerbund geißelte beides postwendend als Saarbrückens "moralische Bankrotterklärung". Selbstbewusste städtische Gesten sehen jedenfalls anders aus.