1. Nachrichten
  2. Kultur

Grütters will die Stiftung innerhalb von drei bis fünf Jahren reformieren.

Stiftung Preußischer Kulturbesitz : Frischer Wind für Stiftungs-Riesen?

Viele Hierarchien, unklare Entscheidungsprozesse: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gilt als zu behäbig. Jetzt soll sie reformiert werden.

Schon der Name klingt wenig dynamisch: Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Dahinter verbirgt sich allerdings ein kultureller Kosmos, der auch weit jenseits nationaler Grenzen seinesgleichen sucht. Mit der Stiftung soll nun die größte deutsche Kultureinrichtung aufgelöst werden (wir haben berichtet). Eine entsprechende Empfehlung präsentierte der von Bund und Ländern getragene Wissenschaftsrat in Berlin – nach einer zweijährigen Analyse der Dachorganisation von staatlichen Museen, Bibliotheken und Instituten.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters will die Berliner Stiftung nun innerhalb von drei bis fünf Jahren reformieren. Die Studie sei ein „erster, sehr wichtiger Schritt, um die Stiftung zukunftsfest zu machen“, sagte die CDU-Politikerin während der Vorlage. Die Vielzahl der Institutionen führe zu einer „strukturellen Überforderung“ der Stiftung, begründete die in Dresden lehrende Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler, die für den Wissenschaftsrat die Arbeiten an der Evaluation geleitet hatte.

Zu der von Bund und Ländern getragenen Stiftung mit rund 2000 Mitarbeitern gehören die Staatlichen Museen Berlin, deren 15 Sammlungen mit 4,7 Millionen Objekten an 19 Standorten präsentiert werden, die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv, das Ibero-Amerikanische Institut und das Staatliche Institut für Musikforschung.

Münkler will vor allem für die kritisierten Museen „die Handlungsspielräume erweitern“. Mit den „Sammlungen von Weltrang, die für internationales Publikum von höchstem Interesse sind“, werde „das Potenzial derzeit nicht hinreichend ausgeschöpft“. Als Ursache sieht der Wissenschaftsrat strukturelle Rahmenbedingungen und nicht ausreichende finanzielle Ausstattung. Die Dachstruktur der Stiftung schränkt laut Studie die Entwicklung der Einrichtungen ein. Grunde dafür seien „tief gestaffelte Hierarchien und unklare Entscheidungsprozesse“. Auch beim künftigen Humboldt Forum, in dem sich zwei der Museen präsentieren werden, müssten die Zuständigkeiten klarer geregelt werden.

Neben einer Stiftung für die Museen, zu denen nach Vorstellung des Wissenschaftsrates das Institut für Musikforschung mit dem Musikinstrumenten-Museum hinzukommen soll, sieht die Studie eigenständige Strukturen für die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv und das Ibero-Amerikanische Institut vor. Die Einrichtungen, deren Arbeit vom Wissenschaftsrat positiv bewertet wurde, gehören bisher ebenfalls zur Preußen-Stiftung.

Ministerin Grütters kündigte eine möglichst rasche Umsetzung an. „Wir wollen Reformen auf den Weg bringen“, bekräftigte sie. Gleichzeitig verwies Grütters auf die komplizierte Struktur der von Bund und Ländern getragenen, aber neben Berlin überwiegend vom Bund finanzierten Stiftung mit einem Etat von 357,4 Millionen Euro im Jahr 2019. Es sei sinnvoll, die Finanzierungsströme zu verändern. Der Wissenschaftsrat hat eine Finanzierung der Museen nur von Bund und Berlin angeregt, die übrigen Bereiche sollten komplett beim Bund angesiedelt werden.

Stiftungspräsident Hermann Parzinger sieht in den Empfehlungen eine „riesige Chance“, die Strukturen müssten „tiefgreifend verändert werden“, um „neue Gestaltungsspielräume zu schaffen“. Gleichzeitig warnte Parzinger davor, „den übergreifenden Mehrwert nicht aus den Augen zu verlieren“. Eine Auflösung der Stiftung sei kein Selbstzweck. Parzinger begrüßte aber nachdrücklich mehr Gestaltungsspielräume für die Direktoren der einzelnen Museen.

Der Generaldirektor der Museen, Michael Eissenhauer, sieht in den Strukturempfehlungen „Orientierung und Ansporn für einen zukunftsfähigen Weg, auf dem wir uns von innen heraus reformieren und die gesellschaftliche Relevanz unseres Auftrages neu- und weiterdenken können“. Ziel seien neue Struktur und Ausstattung, „mit denen wir an internationale Museumsentwicklungen anschließen können“.