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Gitarrero Al Di Meola spielte zum Finale des St. Ingberter Jazzfestivals vor ausverkauftem Haus

Finale des St. Ingberter Jazzfestivals : Ein Trio, bei dem jeder für sich spielt

Geschwindigkeit und motorische Brillanz, aber wenig Seele: Al Di Meolas ausverkauftes Konzert zum Finale des St. Ingberter Jazzfestivals blieb unterkühlt.

Da fordert einer den Spot für sich allein und lässt seine beiden Mitmusiker weitgehend im Trüben hocken. Die Lichtshow der Vortage? Gestrichen. Stattdessen inszeniert Al Di Meola sich selbst, indem er den Hintergrund bühnenfüllend mit Abbildnissen seiner selbst tapeziert. Die eigene Person so in den Fokus zu stellen, das zeugt von – vorsichtig formuliert – gesundem Selbstwertgefühl. Am Sonntag gastierte der italoamerikanische Fusion-Gitarrist erneut, diesmal im Trio, beim Jazzfestival St. Ingbert, das zum Finale gern einen breitentauglichen Weltstar präsentiert. Hau-Drauf-Schlagzeuger Billy Cobham etwa bescherte schon mehrmals eine proppenvolle Stadthalle, nun ging die Rechnung erneut auf: Der Sonntag war ausverkauft und damit der bestbesuchte Festivaltag.

Was Wunder, eilt Di Meola doch der Ruf des Saitenrasers voraus: Gemeinsam mit Paco de Lucia und John McLaughlin gehört er zu den berühmten drei Schnellspielern vom Dienst. Diesem Image wurde der frenetisch Umjubelte auch diesmal wieder gerecht, doch davor hatten die Götter eine ausführliche Warmspielphase und kapriziöses Gebaren gesetzt. Zwar plauderte der Meister höchst aufgeräumt, zeigte sich aber wie seine beiden Mitspieler Kemuel Roig (Flügel) und Fausto Beccalossi (Akkordeon) sehr unzufrieden mit dem Monitorsound. Ständig wurden falsche Pegel moniert, schließlich zitierte man einen Techniker auf die Bühne. Offensichtlich hörte man einander nicht – ob Di Meola deswegen eingangs öfter daneben griff und man den Eindruck hatte, dass jeder, allen voran der Meister selbst, für sich spielte? Dieses Gefühl des Solitären, Etüdenhaften und Beliebigen sollte sich im Laufe des Konzerts verfestigen. Die plexigläsernen Schalltrennwände, die Roig, Di Meola und Beccalossi voneinander abschirmten, waren jedenfalls nicht schuld. Sehr wohl aber ein emotional unterkühltes Konzept, das Musik im Wesentlichen auf Geschwindigkeit, motorische Brillanz und Sound reduziert – Ehrensache, dass Di Meola eine ganze Batterie an Effekten nutzte, um den Klang seiner Akustischen permanent aufzuplustern, von Synthesizerfahnen über Sitar-Simulation bis zu verzerrtem E-Gitarre-Röhren.

Zwar wurden halsbrecherischste parallele Läufe und komplexeste Rhythmusmanöver erwartungsgemäß in atemberaubend präzisem Miteinander absolviert. Aber eine seelenvolle organische Symbiose, bei der jeder dem anderen mit Spielwitz liebevoll zuarbeitet (wie es etwa die beiden Gitarristen Martin Taylor und Ulf Wakenius beim Auftakt am Donnerstag par excellence demonstriert hatten), wollte (und sollte) sich hier nicht einstellen. Ihr Licht als Musiker mussten Roig und Beccalossi immerhin nicht unter den Scheffel stellen und erwiesen sich als durchaus kongeniale, wenn nicht sogar überlegene Partner.

 Vor allem der mit berückender Klangvielfalt, feinen Diskants und orientalischen Melodiegirlanden faszinierende Beccalossi überzeugte auch als Teamplayer, glänzte sowohl mit Zurückhaltung wie mit zupackender Vitalität – oft ging das Temperament so mit ihm durch, dass er lauthals mitsang. Auf dem Programm standen hauptsächlich Stücke von Di Meolas neuem Album „Opus“ mit reichlich Reminiszensen an Tango und Flamenco; daneben frönte der Gitarrero seiner Vorliebe für die Beatles und huldigte ihnen mit Bearbeitungen von Titeln wie „Because“, „Norwegian Wood“ und „She‘s leaving home“. Von seinen Fans verabschiedete er sich mit einer Liebeserklärung: Das deutsche Publikum sei das treueste.