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Forscher untersuchen für Hausmusik bearbeitete Beethoven-Werke

"Codierung des Notenbilds" : Forscher prüfen für Hausmusik bearbeitete Beethoven-Werke

Deutsche und britische Wissenschaftler wollen die für die Hausmusik bearbeiteten Werke Ludwig van Beethovens (1770-1827) erforschen. Beteiligt sind die englische Universität Oxford und das Musikwissenschaftliche Seminar Detmold/Paderborn, wie dieses am Montag mitteilte.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das britische Arts and Humanities Research Council förderten das auf knapp drei Jahre angelegte Projekt „Beethoven in the House: Digitale Studien zu Bearbeitungen für Hausmusik“ mit rund 813 000 Euro.

Im 19. Jahrhundert hat die Hausmusik laut den Wissenschaftlern dafür gesorgt, dass Bürger die Werke des vor 250 Jahren geborenen Komponisten nicht mehr nur im Konzertsaal genießen konnten, sondern auch daheim. Aus komplizierten Stücken seien einfachere Fassungen entstanden, die gut im Privaten am Klavier oder in kleinen Besetzungen wie Streichquartetten zu spielen gewesen seien, erklärte Johannes Kepper, der das Projekt am „Zentrum Musik-Edition-Medien“ (ZenMEM) des Musikwissenschaftlichen Seminars Detmold/Paderborn zusammen mit dem Informatiker Daniel Röwenstrunk leitet.

Das neue Forschungsprojekt verfolgt nach den Angaben zwei Ziele: Zum einen sollen bekannte Hausmusik-Bearbeitungen einiger Beethoven-Werke systematisch wissenschaftlich erschlossen werden. Zum anderen werden erstmals in Detmold und Oxford entwickelte Werkzeuge und Techniken kombiniert, mit denen sich Notentexte digital archivieren und strukturieren lassen.

Hausmusik-Bearbeitungen seien von der Musikwissenschaft bislang kaum systematisch untersucht worden, sagte Kepper. Er und seine Kollegen würden daher im Beethoven-Haus Bonn bekannte Arrangements von Beethovens 7. und 8. Sinfonie sowie von seinem Orchesterwerk „Wellingtons Sieg“ auswerten. Zudem würden die Bestände der „Bodleian Libraries“ an der Universität Oxford nach interessanten Hausmusik-Bearbeitungen von Beethovens Werken durchsucht. „So können wir die Breite der Hausmusik-Bearbeitungen abschätzen und ein möglichst repräsentatives Bild entwerfen“, erklärte Röwenstrunk.

Einige der Bearbeitungen werden mithilfe von speziellen Werkzeugen und Softwaretechniken digitalisiert, wie es hieß. So entstehe eine „Codierung des Notenbilds“, die es ermögliche, den Aufbau der Hausmusik-Bearbeitungen zu erforschen und herauszufinden, wie ein Stück an bestimmten Stellen gekürzt und vereinfacht wurde.

Erste Ergebnisse von „Beethoven in the House“ würden für das Frühjahr 2021 erwartet.

(kna)