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Feine Sahne Fischfilet in Saarbrücken: Punkrock gegen Rechts

Feine Sahne Fischfilet in Saarbrücken : „Mit zwei Promille durch die Nachbarschaft“

Punkrock gegen Rechts: Am Freitag waren Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern in der Saarbrücker Garage.

Brechend voll ist die Garage, als Jan „Monchi“ Gorkow, Christoph Sell, Jacobus North, Max Bobzin, Kai Irrgang und Olaf Ney auf die Bühne kommen. Vor wenigen Jahren spielten Feine Sahne Fischfilet noch auf kleinen Zeltbühnen – mittlerweile haben sie eigene Vorbands, gehören selbst zu den Großen. Dann singt Monchi „Es geht los, es geht los heute Nacht! Wir sind zurück, in unserer Stadt, mit zwei Promille durch die Nachbarschaft“ – und die Menge dreht durch. Die Fans sind wild, die Stagediver motiviert, ihre T-Shirts nach wenigen Liedern so nass geschwitzt wie das von Monchi. Während der charismatische Sänger – etwas außer Atem – das nächste Lied ankündigt, formiert sich die Menge zum Kreis, bereit zum Pogo.

Es läuft gut bei der Punkband aus Mecklenburg-Vorpommern. Saarbrücken ist nur eine Station der „Alles auf Rausch“-Tour durch Deutschland und Österreich. Die deutschen Konzerte sind restlos ausverkauft. Im April soll „Wildes Herz“ in den Kinos anlaufen, eine Dokumentation von Charly Hübner über Frontmann Monchi. Beim Leipziger DOK-Festival heimste sie vier Preise ein, beim Filmfestival Max Ophüls Preis war sie ebenfalls zu sehen.

Es scheint, als könnte die Band selbst kaum glauben, wie erfolgreich sie inzwischen ist. Auf der Saarbrücker Bühne gibt Monchi zu, von Akkorden und Noten wenig Ahnung zu haben. „Ich kann immer noch nicht singen, und spiel jetzt bei ‚Rock am Ring’.“ Mit dem neuen Album „Sturm und Dreck“ bleibt sich die Band treu. Trompeten, klare, eingängige Melodien. Die Stücke gehen wie gewohnt nach vorne: unverschnörkelter Punkrock.

Wer auf  Texte mit belanglosem Inhalt steht, ist an diesem Abend falsch in der Garage. Feine Sahne Fischfilet ist ein Statement gegen Rechts. Das  bleibt auch beim neuen Album so. „Angst frisst Seele auf“ ist der thüringischen Linken-Politikerin Katharina König gewidmet, die Morddrohungen von Neonazis bekam. In „Suruç“ verarbeitet Monchi seine Erlebnisse als Flüchtlingshelfer in Syrien.

Links zu sein ist in Mecklenburg-Vorpommern, der Heimat der Band, nicht so leicht. Vor der Landtagswahl 2016 starteten Feine Sahne Fischfilet die Kampagne „Noch nicht komplett im Arsch“. Um dem Rechtsruck entgegenzutreten, tourten sie mit Konzerten, Diskussionsrunden und auch Fußballturnieren durch ihr Bundesland. Die Band stand jahrelang im Bericht des Verfassungsschutzes, Bereich Linksextremismus. Dafür ausschlaggebend waren Liedzeilen wie „Die Bullenhelme – sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein“. Die Band spielt sie inzwischen nicht mehr.

Neben politischen Themen spielen Feiern und Saufen, Heimat und Provinz eine wichtige Rolle beim neuen Album. „Niemand wie ihr“ hat Monchi für seine Eltern geschrieben. „Sollte ich mal Kinder haben, will ich so sein wie ihr. Ich find‘s scheiße, was du machst, aber ich steh‘ zu dir.“

Zwischen den Stücken wendet sich Monchi an das Publikum und spricht über die Hintergründe der neuen Lieder. Wie er an der türkisch-syrischen Grenze ein Selbstmordattentat erlebte, zum Beispiel. Nicht alle seiner Fans hören aufmerksam zu. Dafür sind manche von ihnen zu feierwütig und zu betrunken – „alles auf Rausch“ eben. Wenn Monchi vom Engagement gegen Rechts spricht, ist die Menge hingegen präsent –  und stimmt einen Sprechchor an: „Alerta, alerta, Antifascista!“