1. Nachrichten
  2. Kultur

Europäischer Gerichtshof untersagt Bühnen ständige Zeitverträge

Wegweisendes Gerichtsurteil : EuGH stärkt Tänzern den Rücken

Europäischer Gerichtshof untersagt Bühnen dauerhafte Befristung von Verträgen.

(dpa/SZ) Tänzer und Musiker bei öffentlichen Kultureinrichtungen sind wie andere Arbeitnehmer davor geschützt, immer wieder nur befristete Verträge zu bekommen. Dies entschied der Europäische Gerichtshof gestern in einem Rechtsstreit um sogenannte Kettenbefristungen von Opern- und Orchesterangestellten in Rom (Rechtssache C-331/17).

 Geklagt hatte die italienische Balletttänzerin Martina Sciotto, die vom Opernhaus in Rom über mehrere befristete Verträge angestellt war. Die Richter sahen für diese Befristung jedoch keinen sachlichen Grund. Weder der öffentliche Charakter der Stiftung noch die Tatsache, dass es in dieser Branche traditionell befristete Verträge gebe, rechtfertigten solche Arbeitsverhältnisse.

 In Deutschland hatte das Bundesverfassungsgericht erst im Juni das gesetzlich verankerte Verbot einer grundlosen Befristung bestätigt. Ausnahmen seien nur dann möglich, wenn keine Gefahr einer sogenannten Kettenbefristung bestehe, eine Vorbeschäftigung sehr lange zurückliege oder von kurzer Dauer gewesen sei. Grundsätzlich aber sind befristete Verträge an deutschen Bühnen möglich (außer bei Konzertmusikern). Grund: Um das vermeintliche „Abwechslungsbedürfnis des Publikums“ zu stillen, sei wechselndes Personal nötig. Ob das EuGH-Urteil an dieser Praxis etwas ändert, wird sich zeigen.