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Erste Buchmesse Saar in Saarbrücken vom 19. bis 21. Juni.

Buchmesse Saar : Auf zur „Bums“ – denn Lesen kann so sexy sein

Über 250 Aussteller, darunter rund 100 Verlage, kommen zur ersten Buchmesse Saar (Bums), die vom 19. bis 21. Juni in der Saarbrücker Saarlandhalle stattfindet. Die Veranstalter rechnen mit 20 000 Besuchern. Am Dienstag stellten sie das Programm vor.

„Es wird ganz schön groß“, strahlt Benjamin Kiehn. Gut gelaunt, geradezu euphorisch präsentierten er und sein Team am Dienstag das ambitionierte Programm der neuen „Buchmesse Saar“ in der Saarlandhalle, wo diese zum ersten Mal vom 19. bis 21. Juni stattfinden wird. Kiehns jüngstes „Baby“ entwickelt sich bestens. „Wir haben eine 100prozentige Belegung erreicht und bereits 600 Tickets verkauft“, freut sich der Messemacher mit einem Talent für die Organisation von Groß-Events. Er ist auch Gründer des erfolgreichen Redener Fantasy-und Rollenspiel Kongresses „Fark“. Sein Partner und Messeleiter Karsten Wolter ist ein in der Fantastik-Szene bekannter Buchhändler. Mit Ehefrau Diana, die die literarische Leitung der Messe hat, führt er den „Drachenwinkel“ in Diefflen.

Ab sofort geht es in die Marketing-Offensive: Hunderte Plakate seien  gedruckt, CityCards mit Slogans wie „Lesen gefährdet die Dummheit“ oder „Eat.Sleep.Read.Repeat“ liegen aus. Und weil Anzüglichkeit immer gut im Gedächtnis hängen bleibt, haben die Macher die Idee aufgegriffen, ihre neue „Buchmesse Saar“ in der griffigen Kurzform „Bums“ zu vermarkten. Das witzig-frivole Werbevideo, das sie beim Pressetermin vorstellten, spricht für sich. Sex sells, das weiß jeder. „Und Lesen kann so sexy sein“, lacht Kiehn.

Also dann, auf zur „Bums“, auf der über 250 Aussteller vertreten sein werden. Rund 100 Verlage haben einen Stand gebucht, von so renommierten wie Random House, Oetinger, Piper oder S. Fischer bis hin zu kleinen Verlagen, darunter einige saarländische (Conte, Charly Lehnert, Geistkirch, u. a.). Die Messemacher konnten neben prominenten saarländischen Autoren eine Reihe von Bestseller-Autorinnen und Autoren gewinnen: Wolfgang Hohlbein („Killer City“) zum Beispiel, der mit einer Gesamtauflage von 44 Millionen Büchern zu Deutschlands erfolgreichsten Fantasy-Autoren zählt. Seine Jugendbuchreihe „Die Wolf-Gäng“ wurde verfilmt und läuft derzeit in den Kinos. Oder Katja Brandis, ebenfalls erfolgreiche Fantasy- und Jugendbuchautorin („Woodwalkers“, „Seawalkers“). Sie werde nicht nur lesen, sondern auch einen Workshop für junge Autorinnen und Autoren anbieten, kündigte Wolter an. Fehlen wird ebenfalls nicht einer der Grandseigneurs der Literatur im Saarland, der preisgekrönte Lyriker Johannes Kühn.

Auch wenn der Schwerpunkt der Messe ausdrücklich nicht auf dem Genre „Fantasy“ liegen soll, so sind doch viele Autoren und Autorinnen dieser Gattung vertreten. Sich präsentieren werden auch Buchhandlungen, Vereine, Künstler, Stiftungen, die Saar-Uni und die Saar-Kunsthochschule. Selbst das Saarbrücker Cispa-Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit macht mit bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Künstliche Intelligenz und Datenschutz“, an der auch die Bestseller-Autorin Theresa Hannig („Die Optimierer“) teilnimmt. Bei den Workshops bringt sich unter anderem die vom Wirtschaftsministerium geförderte Innovationsplattform „Dock 11“ ein – mit Themen wie „Eventisierung als Empowerment-Vehikel“ oder „Saarmojis als Marketingtool“.

Rund 30 Prozent der Aussteller kommen aus dem Saarland, zehn Prozent aus Rheinland-Pfalz, der Rest aus der ganzen Republik, und ein paar wenige aus Luxemburg, Frankreich, Österreich und der Schweiz. Die Saarlandhalle werde aus allen Nähten platzen, kündigt Kiehn an. „Wir bespielen neben dem Hauptsaal alle Nebenräume, die Gänge und die Foyers.“ Die Messemacher sind optimistisch, 20 000 Tickets verkaufen zu können und arbeiten mit einem Budget von rund 250 000 Euro und einer ganzen Reihe von Partnern und (wenigen) Sponsoren.

„Wir haben uns mit anderen Buchmessen der Region vernetzt“, sagt Kiehn und nennt das Festival „erLesen!“ (21. März bis 4. April), das an mehreren Orten im Land mit Lesungen namhafter Autoren stattfindet. Mit der etablierten Saarbrücker Kinder- und Jugendbuchmesse, die für den September terminiert ist, habe man sich „fein abgestimmt“. Es gehe auch darum, Kindern und Jugendlichen ein niedrigschwelliges Literatur-Angebot zu machen, betont  Kiehn. Daher öffne die Messe an ihrem ersten Tag, dem „Bildungsfreitag“, ihre Tore kostenlos für Kindergärten, Schüler, Lehrer, Erzieherinnen und Bibliothekare. Die können an diesem Tag jede Menge Lesungen und viele Workshops für junge Leser besuchen. Inwieweit die Buchmesse Saar der Kinder- und Jugendbuchmesse hier das Wasser abgräbt, bleibt allerdings abzuwarten. Auch wenn Kiehn betont, man wolle alle, die Literatur im Land fördern, ins Boot holen.

  Karsten Wolter, Diana Wolter und Benjamin Kiehn (v.l.) haben die Buchmesse auf die Beine gestellt.
Karsten Wolter, Diana Wolter und Benjamin Kiehn (v.l.) haben die Buchmesse auf die Beine gestellt. Foto: Esther Brenner

Thematisch jedenfalls sei man breit aufgestellt. Neben Kinder- und Jugendliteratur (rund 13 Prozent) gibt es vor allem Belletristik, Gegenwartsliteratur und Historische Romane (31 Prozent). Krimis und Thriller  bieten zehn Prozent der Aussteller an. Es gibt zudem Comic und  Manga, Reise- und Genussbücher und einen Bereich mit „Queerer Literatur“. „Der Mix spiegelt die Verkaufszahlen in den einzelnen Literatursegmenten wider“, sagt Kiehn. Sein Konzept – erschwingliche Standmieten, Präsentationsmöglichkeiten für große Namen als auch Nachwuchsautoren, ein hippes Literaturevent mit kulinarischem Angebot und interessantem Rahmenprogramm inklusive zweier Lese-Galas in der Saarbrücker Congresshalle (siehe Info) – ist offenbar so gefragt, dass Kiehn und sein Team bereits die zweite Buchmesse Saar planen. Sie soll vom 28. bis 30. Mai 2021 stattfinden. Die Akquise laufe bereits.