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Emma Peel, die Frau von james Bond und "Game of Thrones".

Diana Rigg ist im Alter von 82 Jahren gestorben : Die Heldenbrust zum Anlehnen hat sie nie gebraucht

Diana Rigg ist im Alter von 82 Jahren gestorben – sie wurde legendär als Emma Peel in der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“.

Gerade dieser Tage konnte man sie noch einmal sehen, zumindest im englischen Fernsehen: Da legte Diana Rigg in der Neuauflage der Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“ einen herrlichen Auftritt hin: als herrische alte Dame, die noch knurriger ist als ihr bissiges Schoßhündchen. Eine typische Rigg-Rolle, denn eines spielte die Britin, die am Donnerstag im Alter von 82 Jahren gestorben ist, nie: die passive Frau, die sich dem männlichen Helden schutzbedürftig an die Schulter wirft. Schon gar nicht als Emma Peel in dem TV-Klassiker „Mit Schirme, Charme und Melone“ (1961 bis 1969), in dem sie von 1965 bis 1967 dabei war – für viele die goldenen Jahre der einfallsreichen, innovativen und manchmal schon surrealen Serie, wegen der Figur Peel und ihrer Darstellerin Rigg. Ihr Partner John Steed (gespielt von Patrick Macnee) war ein großer Ironiker, der schlimmsten Gefahren süffisant ins Antlitz lächelte; Peel dagegen warf, wirbelte, trat und boxte Gegner aller Art an die Wand, meist in sportlich-pragmatischer Kleidung, manchmal gar in schwarzem Leder.

Eine Sternstunde des Fernsehens, mit einer selbstbestimmten, unabhängigen, schlagkräftigen Frauenfigur in der Männerwelt der 1960er. Da war es wohl kein Zufall, dass Rigg nach ihrem Serien-Abschied die einzige Ehefrau des  Agenten-Kollegen James Bond spielte: Im Kinofilm „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (1969) trat sie als eigenwillige, korsische  Mafioso-Tochter auf, die unter anderem einen bulligen Widersacher niederkämpft und bei einer Autojagd 007 zum Beifahrer degradiert. Sie war eben keines der austauschbaren „Bond-Girls“.

Im Januar 1969 bei den Dreharbeiten zum James-Bond-Film „Im Geheimdienst ihrer Majestät“, zusammen mit 007-Darsteller George Lazenby. Foto: AP/Bob Dear

Nach Emma Peel und Bond wandte sich Rigg wieder stärker der Bühne zu, hatte sie zuvor doch bei der Royal Shakespeare Company gespielt. Man konnte sie in Stücken von Tom Stoppard sehen, von Brecht und Shakespeare sowieso. Zum Kino kehrte sie aber immer wieder zurück, für die herrliche Gruselgroteske „Theater des Grauens“ mit Vincent Price etwa oder den nostalgischen Agatha-Christie-Krimi „Das Böse unter der Sonne“. Rigg waren Genre-Grenzen schnurz, was erklären könnte, dass sie wohl die einzige Darstellerin ist, die sowohl den „Goldenen Otto“ der  Jugendpostille „Bravo“ gewonnen hat, zugleich den dann doch weit renommierteren Theaterpreis Tony (für die Titelrolle in „Medea“) und auch noch ein paar Emmy-Fernsehpreise: zuletzt zwei für eine Serie, die sie einem jüngeren Publikum bekannt machte, das zu Zeit von Bond und Emma Peel noch nicht geboren war: „Game of Thrones“, in der Rigg eine höchst intrigante Königin spielte.

Selbst an ihrem 80. Geburtstag stand Rigg auf der Bühne; im März wurde bei ihr Krebs diagnostiziert. Ihre letzten Monate, das teilte Riggs Tochter Rachael Stirling am Donnerstag mit, habe ihre Mutter damit verbracht, „freudig über ihr außergewöhnliches Leben nachzudenken, voller Liebe, Lachen und tiefem Stolz auf ihren Beruf. Ich werde sie unbeschreiblich vermissen.“