Sparte 4 des Staatstheaters: Einladung ins Theater-Wohnzimmer

Sparte 4 des Staatstheaters : Einladung ins Theater-Wohnzimmer

Die neuen Leiter der Sparte 4 setzen auf Geselligkeit und mehrere neue Veranstaltungsformate.

Groß war der Andrang und es kamen gar nicht alle rein am Sonntagabend, als die Sparte 4 in der Saarbrücker Eisenbahnstraße zum ersten Mal wieder öffnete. Wird sie noch zu erkennen sein, die Experimentierbühne des Staatstheaters, das Wohnzimmer mit Bar und Raucherraum und lässiger Atmosphäre, das Christoph Diem geschaffen und geprägt hatte, oder hat sich alles sehr verändert? Das war die – auch bange – Frage, die wohl nicht wenige Fans bewegte. Für die Antwort kann man Radio Eriwan heranziehen: Ja und nein. Im Foyer kredenzte das neue Team den Besuchern Crémant auf dem Tablett. Die Damen, Dramaturgin Bettina Schuster-Gäb und Leiterin und Theaterpädagogin Luca Pauer, hatten sich in Abendroben geworfen. Die Empfangstheke wurde zur eleganten Kabine wie in alten Kinos umgebaut. Co-Leiter Thorsten Köhler sollte daneben mit seiner Markenzeichen-Piloten-Brille und den Riesenkoteletten wohl eher den lässigen Part verkörpern.

Oben dann, wo man mit Justus Saretz einen berühmten Bühnenausstatter fürs Umdekorieren bemüht hatte, lassen sich jetzt bodenlange grüne Vorhänge rund um die Wände des Theaterraums ziehen. Zur Toi­lette geht es jetzt durch schwarze Türen mit goldener Aufschrift. Die unbequemen braunen Ledersessel sind rausgeflogen. Aber sonst? Auch die Direktmusik, die – wegen Diems Urheberrecht – jetzt nicht mehr so heißen darf und sich deshalb „Melodien für Millionen“ nennt, wirkte wie immer. Das heißt: fast!

Pauer und Köhler pflegen einen ganz anderen Stil der Moderation. Im Vergleich zum cool-ironischen Understatement-Ton der Vorgänger kommen die Süddeutschen frohsinniger daher. Albern wollen sie sein. Aber auch das ist eine Kunst. Da müssen sie vielleicht noch ein wenig üben. Mit Hochzeitsspielchen wie „Erkennst Du Ihre Wade?“ und privaten Fotos aus der Kinderzeit wollte Schuster-Gäb am Montag die Vorstellung des neuen Pauer-Köhler-Teams auflockern. Zum Glück waren um 18 Uhr noch kaum Zuschauer da.

Die beiden gehen mit großem Enthusiasmus und Elan an ihre neue Aufgabe. Mit zwei bis drei Veranstaltungen täglich in dieser Woche wollen sie den Saarbrückern ihre neuen Formate, die über die Theatervorstellungen hinausgehen, vorstellen. Gestern Abend etwa hatte „Spartensprecher“ Premiere. Unter diesem Titel werden laut Pauer künftig Lesungen, Hörspiele, Performances oder auch Poetry Slams geboten – „Alles, was mit Wort zu tun hat“.

Morgen beginnt die Trashfilm-Reihe „Mondo Tasteless“, die „schlechte Filme“, erklärt und – kommentiert von Köhler und einem Partner in der Rolle von Filmkritikern – zelebrieren will. Für dieses Konzept ist Köhler in Dessau mit einem Preis ausgezeichnet worden.

Das „Feierabendbierchen?“ lädt die Besucher am Freitag auf ein Getränk mit den beiden Sparten-Machern ein. „Wir wollen die Bar ein wenig pushen“, sagt Köhler. Sein Wunsch und auch Pauers ist es, dass die Saarbrücker künftig auch an Abenden, an denen hier keine Vorstellung ist, mal auf ein Bier vorbeikommen und mit den Schauspielern nach Probenschluss locker ins Gespräch kommen. Ein Wohnzimmer soll es bleiben, eine Stammkneipe werden, in der man sich wohlfühlt. Dafür legen sich Pauer und Köhler mächtig ins Zeug. Sie verdienen es, dass man ihre Einladung annimmt.