Opus-Fotopreis: Eine Vernissage, die Fragen aufwirft: Opus-Fotopreis

Opus-Fotopreis : Eine Vernissage, die Fragen aufwirft: Opus-Fotopreis

Von Kerstin Krämer

Am Mittwoch fand die Vernissage des vierten Opus-Fotopreises statt. Ausgelobt wird er alle zwei Jahre vom Kulturmagazin Opus, als hiesiger Partner der Wanderausstellung durch die Großregion fungiert die Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK). Den Juryvorsitz hat der emeritierte HBK-Professor Rolf Sachsse, ferner gehörten der Preisjury Roland Augustin (Stiftung Saarländischer Kulturbesitz), Klaus Bauer (energis) und der vorige Preisträger Thorsten Schumann an.

 Der Kunstpreis versteht sich als offen, ohne thematische Vorgaben. Bedingung ist lediglich ein innerer Zusammenhang der eingereichten Arbeiten sowie ein Format von maximal 40 mal 50 cm – rein digitale Einsendungen sind nicht zulässig. Dass die Zahl der Bewerbungen seit Jahren sinkt (jetzt 143 Einreichungen statt früherer 200), begründet Opus-Herausgeber Kurt Bohr mit der „steil angestiegenen“ Qualität der Arbeiten: Das Niveau des Preises habe sich herumgesprochen, Amateurknipser hielten sich zunehmend fern. Angesichts des in der HBK-Galerie gezeigten, formal wie inhaltlich diskussionswürdigen Kraut- und Rüben-Sammelsuriums lässt sich über diese Argumentation trefflich streiten. Man könnte umgekehrt vermuten, dass ambitionierte Fotografen mit einem weniger akademischen, konservativeren Kunst-Verständnis den Preis meiden – auch weil sie eventuell Zweifel an dessen Neutralität hegen: Dass bei einer internationalen (!) Ausschreibung von den 14 hier mit Anerkennungspreisen bedachten Fotokünstlern allein drei aus den Reihen der HBK kommen und zwei der drei Hauptpreise an HBK-Absolventen gehen, ist bemerkenswert.

Für Irritation sorgte auch die (nachträglich kassierte) Formulierung in der Ausschreibung, dass es wünschenswert wäre, wenn die Bewerber etwas zum Thema Energie einreichten. Wer dies eingedenk des Hauptsponsors Energis brav beherzigte, durfte sich im Nachhinein zu Recht übervorteilt fühlen. In jeder Hinsicht nachvollziehbar ist der dritte Preis (500 Euro) für HBK-Absolventin Sylvie Felgueiras, die in ihrer Serie „porträt+“die traditionelle Gattung des Porträts und den Umgang mit Abbildern hinterfragt. Der zweite Preis (1500 Euro) ging an die HBK-Absolventin Esther Hagenmeier, deren geometrisch inspirierte skulpturale Arbeiten keinen Bezug mehr zum Medium Fotografie erkennen lassen. Den mit 5000 Euro dotierten ersten Preis gewann erneut ein narratives Konzept, wobei sich die Serie „Schengen“ der gebürtigen Saarburgerin Ruth Stoltenberg überwiegend in dokumentarischem Wert erschöpft. Dass der Opus-Fotopreis womöglich ein Image-Problem hat, lässt sich auch am mageren Publikumsinteresse ablesen: Zur Vernissage versammelten sich nur etwa 20 Leute, wovon mehr als die Hälfte Organisatoren und Aussteller waren.

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