Eine Frage von mehr als nur 200 Millionen Euro

Eine Frage von mehr als nur 200 Millionen Euro

In Augsburg ist dieser Tage ein monatelanger Streit über die Frage, ob die Stadt ihr dringend sanierungsbedürftiges Theater auf dem Weg einer Neuverschuldung modernisieren darf oder nicht, zuende gegangen. Um eine Neuverschuldung mit ungewissen Folgeeffekten für die übrige städtische Kulturförderung zu verhindern, hatten Kritiker dazu ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht. Nun ist die Sache geklärt: Das Vierspartenhaus, ein 1877 eröffneter und nach seiner teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1956 wieder in Betrieb genommener Neorenaissancebau, wird für rund 200 Millionen Euro saniert. 107 Millionen schießt der Freistaat Bayern zu, den Rest muss die Stadt tragen.

Das Bürgerbegehren scheiterte aus zwei Gründen: Zum einen kamen mit gut 9000 gültigen Unterschriften 1500 weniger als nötig zusammen. Zum anderen wies die Stadt das Begehren als juristisch unzulässig ab. Vorsorglich hatte Augsburgs Kämmerin den Initiatoren mittels eines finanzpolitischen Schachzuges den Wind aus den Segeln genommen. "Sind Sie dafür, dass die Stadt Augsburg die Sanierung des Theaters trotz angespannter Haushaltslage über Neuverschuldung finanziert?", hatte die Leitfrage des Bürgerbegehrens geheißen. Daraufhin hatte die Stadt entschieden, ihren Eigenanteil von gut 90 Millionen Euro über Rücklagen zu finanzieren und im Gegenzug alle übrigen Investitionen für 2016/2017 per Kreditaufnahme. So ließ man die Frage der Sanierungskritiker ins Leere laufen. Nach 30 Jahren Sanierungsstau soll die Modernisierung 2017 beginnen und 2023 abgeschlossen sein. In Augsburg ist man mehrheitlich erleichtert.

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