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Neue DRP-Saison: Eine Elbphilharmonie braucht das Saarland

Neue DRP-Saison : Eine Elbphilharmonie braucht das Saarland

Mit seinem Orchester, der Deutschen Radio Philharmonie, ist Chefdirigent Pietari Inkinen auf Erfolgskurs. Doch er wünscht sich nicht nur für die DRP einen neuen Konzertsaal.

Pietari Inkinen hat offenbar noch starkes Elphi-Fieber. „Alles voll, unglaublich, was dieser Saal mit Hamburg macht. Die könnten die Konzerte zwei Mal, drei Mal verkaufen“, schwärmt der Chef der Deutschen Radio Philharmonie (DRP). Vorige Woche stand der Finne erstmals als Dirigent in der Elbphilharmonie gemeinsam mit dem NDR-Orchester.

Jetzt aber muss er nach hochdosierter Nord-Euphorie wieder mit der Ernüchterung über den real nicht existierenden Saarbrücker Konzertsaal klarkommen. Das, was man hier habe, sei eben das, was es ist: ein großer Raum in einem Kongresszentrum. „Es gibt viele, viele bessere Säle, aber auch ein paar schlechtere“, befindet Inkinen nordisch direkt. Und stellt sich in eine Reihe mit früheren Chefs der DRP und des RSO Saarbrücken. Auch der 38-Jährige hadert mit den akustischen Gegebenheiten. Für etliche sinfonische Großwerke ist die Congresshalle einfach nicht gemacht. Mehr Zuschauerplätze dürften es ebenfalls sein. Die DRP-Matinéen etwa sind regelmäßig ausverkauft, sagt Orchestermanager Benedikt Fohr. Inkinen, jetzt knapp ein Jahr im Amt, konnte an die Popularität seines Vorgängers Karel Mark Chichon nahtlos anknüpfen, vielleicht sogar noch drauflegen. Bloß lässt sich das nicht im Kartenverkauf richtig ummünzen. Inkinen trommelt jetzt jedenfalls auch für das Saarphilharmonie-Projekt nahe des Saarbrücker Osthafens (wir berichteten mehrfach). „Nicht nur das Orchester hätte einen besseren Saal verdient, für die ganze Region wäre das toll. Man könnte Pop, Jazz, alles dort machen. Das zieht Leute“, wünscht sich Inkinen eine Art Saarphi-Effekt. „Nicht länger abwarten, was tun“, ermuntert er flugs noch die Politik im Lande.

So unverblümt wie er redet, so klar probt und dirigiert er auch. Inkinen ist keiner, der auch noch das letzte Quäntchen organisiert wissen will. „Wir arbeiten vieles sehr, sehr genau, aber es muss ein gewisser Freiraum im Konzert bleiben“. Und das sei genau das Schöne an der DRP, dass die Musiker so neugierig auf Neues seien und das im Konzert auch hören ließen. Während Chichon die DRP mit Macht aufs französische Repertoire einstimmte, sogar (konzertant) große italienische Oper wagte, packt der Finne neben dem „quasi geerbten Dvorak-Zyklus“ nun sämtliche Prokofjew-Sinfonien an. Weil der so schön „knackig ist“, ungewöhnliche Instrumentierungen, spektakuläre Klangfarben biete. Fraglos sind das Kontraste zu Chichon, doch kein Gegensatz, betont Inkinen. Letztlich seien all’ das Farben einer großen Palette, wie sie ein Rundfunk-Sinfonieorchester nunmal brauche. Überdies, hofft der DRP-Chef, könne die Kombination – russischer Komponist, deutsches Orchester, finnischer Dirigent – auch Aufmerksamkeit bedeuten. „Das ist eben nicht das Gängige bei den Einspielungen“, meint Inkinen. „Und einen Sibelius-Zyklus habe ich schon zwei Mal gemacht, da muss ich erst wieder 20 Jahre warten.“

Seine erste Saison mit der DRP neigt sich jetzt dem Ende. Man spüre, wie das gegenseitige Vertrauen gewachsen sei, man immer rascher nach Pausen an das gemeinsam Erarbeitete anknüpfen könne, bilanziert der Dirigent. Wobei ein Höhepunkt noch aussteht. Nach dem Konzert heute Abend mit Stargeiger Vadim Repin gehen die Musiker vom 27. Mai bis 3. Juni auf Südkorea-Tour – in riesige Konzertsälen. In diesem Teil Asiens hat das von SR und SWR getragene Orchester quasi Starstatus. Die Nachfrage sei sogar so intensiv, sagt Fohr, dass die Koreaner einen Teil der immensen Tour-Kosten schultern; keineswegs eine Selbstverständlichkeit und Beweis für die Beliebtheit des Saar-Orchesters, das ja – zugegeben – ein ganz kleines bisschen auch ein pfälzisches ist.