Literatur Gehobener Dachbodenschatz

Göttingen / Itzehoe · 45 Jahre nach seiner Entstehung erscheint nun ein früher Roman von Günter Kunert.

 Eine Aufnahme Kunerts, der seit 1979 in einem Dorf in Schleswig-Holstein lebt, von 2014.

Eine Aufnahme Kunerts, der seit 1979 in einem Dorf in Schleswig-Holstein lebt, von 2014.

Foto: dpa/Carsten Rehder

(epd) Ein vor 45 Jahren geschriebener Roman des Schriftstellers Günter Kunert wird jetzt erstmals veröffentlicht. Das Buch „Die zweite Frau“ erscheint kurz vor Kunerts 90. Geburtstag (6. März), wie der Göttinger Wallstein Verlag gestern mitteilte. Der in der DDR populäre Autor sei Mitte der 1970er Jahre der Meinung gewesen, das Werk sei in der DDR „absolut undruckbar“. Er habe das Manuskript deshalb in einer Truhe versteckt. Erst kürzlich habe er den Text wieder entdeckt. Kunert lebte bis 1979 in der DDR, bevor er nach Westdeutschland übersiedelte.

Der männliche Protagonist des Romans sucht nach einem Geschenk zum 40. Geburtstag seiner Frau. Die Auswahl in den Geschäften ist dabei ebenso entmutigend wie seine Einfallslosigkeit. Schließlich tauscht er Mark der DDR in Westgeld, um im Intershop einzukaufen, und macht dort unbedachte Bemerkungen.

Kunert, der unter anderem den Hölderlin- und den Trakl-Preis erhielt, wurde für seine skeptischen Gedichte berühmt, die vor ökologischen Katastrophen und Fehlentwicklungen warnen. Bekannt sind auch seine Miniaturen und kurzen Prosatexte, Hörspiele und Filme. Er schrieb aber nur wenige Romane. Sein Werk spiegelt insbesondere die Literatur und Wechselbeziehungen der beiden deutschen Staaten in der Nachkriegszeit wider. Kunert lebt seit 1979 in Kaisborstel bei Itzehoe.