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Ein Rückblick auf das Kulturjahr im Saarland

So war das Kulturjahr an der Saar : Nackte Männer und ein Festival, das sich neu erfindet

2018 war ein eher ruhiges Jahr für die Kultur im Saarland, in dem viel Rückschau gehalten wurde. Aber langweilig war es nicht.

Große Neu-Eröffnungen, neue Festivals oder handfeste Skandale gab es im vergangenen Jahr keine in der saarländischen Kunst- und Kulturszene. Ein langweiliges Jahr also? Ganz und gar nicht. Denn immerhin mussten mehrere Jubiläen gebührend begangen werden. In der Modernen Galerie des Saarlandmuseums zum Beispiel feiert man nach deren fulminanter Eröffnung Ende 2017 den großen deutschen Impressionisten Max Slevogt, der 150 Jahre alt geworden wäre. Für die überaus gelungene Schau „Slevogt und Frankreich“ konnte das Saarlandmuseum nicht nur aus den eigenen, gewichtigen Beständen schöpfen. Es gelang auch, mehrere Werke von berühmten Künstlern wie Pissarro, Cézanne, van Gogh oder Monet für diese große, sehenswerte Schau auszuleihen. Dort ist man also endlich in ruhigem Fahrwasser angekommen – und Direktor Roland Mönig hat seinen Vertrag bis 2023 verlängert.

Deutsch-französische Bezüge gab in diesem Jahr, das das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren markiert, nicht nur in der Bildenden Kunst, sondern auch im Programm des Saarländischen Staatstheaters, das in der zweiten Spielzeit des neuen Intendanten Bodo Busse mehrere Stücke französischer Herkunft oder Thematik bot: Büchners Revolutionsdrama „Dantons Tod“ oder „Das Wunder um Verdun – 13 Bilder wider das Vergessen“ zum Beispiel. Und auch der neue Generalmusikdirektor ist ein Franzose: Sébastian Rouland löste den Australier Nicholas Milton ab, der nach vier Jahren am SST zum Göttinger Symphonieorchester wechselte. Im SST freute man sich zumindest im Großen Haus über noch mehr Publikum als zu Schlingmanns Zeiten, was sicherlich auch den Blockbuster-Musicals „Blues Brothers“ und „My Fair Lady“ (Premiere im Dezember 2017) geschuldet war. Nur das Tanzfestival Saar, ausgerechnet eine Woche vor das deutsch-französische Theaterfestival „Perspectives“ im Mai platziert, enttäuschte.

Wie auch das Filmfestival Max Ophüls Preis waren die „Perspectives“ wieder ein Publikumsmagnet – fest etabliert im saarländischen Kulturjahr. Mangels Budget sind zwar die Zeiten passé, in denen Festivalchefin Sylvie Hamard mehrere große Produktionen namhafter Regisseure an die Saar holen konnte. Und doch sah man wieder erstklassigen Zirkus, ungewöhnliche Performances und avantgardistisches Theater, zum Beispiel in der Saarbrücker Feuerwache das verstörende Stück „Five Easy Pieces“ von Milo Rau über den belgischen Kinderschänder Dutroux, aufgeführt von Kindern.

Ein wichtiges, beliebtes, sehr erfolgreiches Festival fand zum ersten Mal nicht mehr statt in diesem Jahr: Das Saarbrücker Jazz-Festival, dessen Aus sich bereits Ende 2017 abzeichnete. Im Laufe des Jahres kam heraus, dass dessen Leiter Gelder in sechsstelliger Höhe unterschlagen hatte. Viele Künstler warten nach wie vor auf ihre Gagen.

Nicht mehr fest etabliert schienen auch die Musikfestspiele Saar, nachdem das Kultusministerium deren Mittel gestrichen hatte – zugunsten des „Colours of Pop“-Festivals, das wohl 2020 in erweiterter Form wieder stattfinden soll, wie aus dem Kultusministerium zu hören war. Und auch ein angekündigtes Klassikfestival fand nicht statt, weil eine Kooperation der Musikfestspiele und deren neuen Leiters Bernhard Leonardy mit SST-Intendant Bodo Busse letztendlich im Sande verlief. Leonardy gab – unterstützt von einem potenten Förderverein – nicht auf und stellte im Herbst ein kleines, neu konzipiertes Festival auf die Beine, das am 11. November in einem Friedenskonzert in der Kathedrale von Verdun gipfelte, wo Requien von Mozart und Saint-Saens von der Russischen Nationalphilharmonie und einem 200 Sänger starken Chor aufgeführt wurden. Explizit warb sein neues Team um Klassik-Einsteiger mit Events wie „Orgel trifft HipHop“ oder „Schwimmen zu Händels Wassermusik“. 2019 soll es eine neue Auflage der Musikfestspiele Saar geben. Die Finanzierung bleibt spannend.

Ganz im Zeichen der Erinnerungskultur stand auch das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, wo gleich zwei bekannte Künstler mit Installationen vertreten sind: Ottmar Hörl setzte den Hüttenarbeitern mit seinen bekannten seriell gefertigten Figuren ein Denkmal. Der französische Künstler Christian Boltanski konnte für eine Installation zum Gedenken an die Zwangsarbeiter in der Hütte während des Zweiten Weltkriegs gewonnen werden. Die ist sehr gelungen, ungeachtet dessen, dass es im Vorfeld Diskussionen um die intransparente Vergabe des Auftrags gab. Und noch ein Superstar der Bildenden Kunst wird (hoffentlich) demnächst im Saarland arbeiten: Gerhard Richter soll ein Kirchenfenster für die Abtei in Tholey entwerfen. Das wurde Anfang November bekannt.

Erwähnt werden muss auch die Saarbrücker Stadtgalerie unter ihrer Leiterin Andrea Jahn, die sich 2018 gleich mit zwei Ausstellungen auch überregional einen Namen gemacht hat: Die Schau „Das letzte Bild“ zeigte künstlerische Positionen zum Thema Tod. „In the Cut“, die Ausstellung über männliche Körper in der feministischen Kunst, wurde wegen des großen Interesses bis zum 13. Januar 2019 verlängert.