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Ein Fortissimo zu viel für die Congresshalle

Ein Fortissimo zu viel für die Congresshalle

Ein Uraufführung bot die 1. Matinee der Deutschen Radio Philharmonie am Sonntag: „Langsam“ von Andris Dzenitis. Brahms und Prokofieff gab es auch zu hören beim viel beklatschten Konzert.

Endlich geht es wieder los! Das war der Tenor der Pausengespräche am Sonntag in der Congresshalle: Die Deutsche Radiophilharmonie mit Karel Mark Chichon gab ihre 1. Matinee. Und bot eine Uraufführung: das Orchesterwerk "Langsam" von Andris Dzenitis, ein Auftragswerk der DRP. Dass bei dieser groß besetzten Komposition manchem Hörer der Satz "Farben" aus Arnold Schönbergs op. 16 von 1909 einfiel, war naheliegend. Auch Dzenitis erreicht durch Übereinanderschichten von immer mehr Instrumenten und Spielfiguren nicht nur eine Verdichtung des Klanges, sondern auch dessen Verfärbung. Doch geht er weiter als Schönberg: Er türmt durch diese Technik zugleich gewaltige Fortissimo-Höhepunkte auf, getrennt durch kontrastierende, fast kammermusikalische Abschnitte. Man erlebte, wie (fast) nur durch virtuos gehandhabte Instrumentationstechnik eine musikalische Form entstand. Allerdings: Trotz der Bravorufe für den anwesenden Komponisten wirkte der Beifall etwas ratlos.

Beim folgenden Violinkonzert von Brahms gestalteten Chichon und die DRP schon die Einleitung zu einem dramatischen Erlebnis, den Beginn des langsamen Satzes mit der meisterlichen Oboe über einem fein ausbalanzierten Holzbläsersatz gar zu einem Kabinettstück. Ein vollkommener Klangteppich für den exzellenten Solisten Sergej Krylov, der nicht nur mühelose Virtuosität und eine breite Palette an Klangfarben bot, sondern sich auch mit Spürsinn in das thematische Geflecht des Ensembles einfügte. Nach der äußerst schnellen, kraftvollen, ja fast ruppigen Wiedergabe des Finales hatte er noch die Kraft, "Les Furies" von Eugène Ysaÿe zuzugeben - furios gespielt und mit frenetischem Beifall belohnt. Übrigens: Seine Geige klingt stark und schön wie eine Stradivari, wurde aber von seinem Vater, dem russischen Geigenbauer Alexander Krylov, gebaut.

Eine Auswahl aus Prokofieffs Suiten über sein Ballett "Romeo und Julia" bildete den Abschluss. "Große Inspiration" hatte Chichon in der Generalprobe vom Orchester gefordert, und die wurde hörbar, als die Musiker Prokofieffs phantasievolle Adaption der Shakespeareschen Charaktere und Leidenschaften souverän in Klang umsetzten. "Das grause Bild von Tod und Nacht", wie Shakespeare es nennt, zeichnete Chichon mit temperamentvollem Einsatz und mehr Lautstärke, als die Congresshalle verträgt. Dennoch war der Applaus stürmisch.