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Ein Blick auf den Bücherfrühling

Literatur : Was wird uns der Bücherfrühling bescheren?

Die Zuversicht ist ungebrochen. Trotz rückläufiger Umsätze hofft der deutsche Buchhandel auf einen Aufwind. Wie sieht der kommende, möglicherweise rettende Bücherfrühling aus?

Ein Topseller wie einst Harry Potter ist nicht in Sicht, aber viele gute Bekannte und vielversprechende Debütanten sind angekündigt.

Neben Michel Houellebecq (siehe Kritik oben) könnte ein zweiter Franzose polariseren: Der 26-jährige Édouard Louis legt die autobiografische Geschichte „Wer hat meinen Vater umgebracht“ vor – sein Debütroman „Das Ende von Eddy“ (2015) wurde für den Prix Goncourt nominiert. Unter den deutschsprachigen Schriftstellern sind viele alte Bekannte angekündigt. Von Hans Magnus Enzensberger erscheint bei Suhrkamp „Eine Experten-Revue in 89 Nummern“ als ein „Dialog zwischen der Natur und einem Unzufriedenen: Vom Dämon der Arbeitsteilung“. Clemens J. Setz kommt mit Erzählungen zusammengefasst unter dem Titel „Der Trost runder Dinge“ (Suhrkamp) in die Buchläden. Und Christoph Hein veröffentlicht in „Gegenlauschangriff“ Anekdoten aus dem „letzten deutsch-deutschen Kriege“ im selben Verlag. Durs Grünbein vereint Aufsätze und Notate in „Aus der Traum (Kartei)“.

„Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten“, so lautet der Untertitel von Wolf Biermanns Erzählungen „Barbara“, die bei Ullstein erscheinen. Der Liedermacher wird sie bei der Leipziger Buchmesse (21. bis 24. März) vorstellen. Der Schauspieler Axel Milberg (Kieler „Tatort“) veröffentlicht mit „Düsternbrook“ bei Piper einen Roman „über eine großbürgerliche Familie, die in Unordnung gerät“.

Die Familie ist auch Thema in Sarah Kuttners zweitem Roman. Die Moderatorin erzählt in „Kurt“ von einer ganz normalen komplizierten Familie, davon, was sie zusammenhält, wenn das Schlimmste passiert, wie der Fischer Verlag ankündigt.

Suhrkamp setzt noch einmal auf Elena Ferrante. Die italienische Erfolgsautorin landete in den vergangenen Jahren mit ihrer Tetralogie „Meine geniale Freundin“ einen Weltbestseller. Jetzt erscheint der Roman „Frau im Dunkeln“ über die Frage, was es bedeutet, Frau und Mutter zu sein. Der Brite Ian McEwan veröffentlicht bei Diogenes „Maschinen wie ich“. Darin stellt ein Roboter ein junges Liebespaar vor ein „gefährliches moralisches Dilemma“.

Eine feste Bank für alle Krimifreunde sind die Bestsellerautoren des Frühjahrs. So lässt Donna Leon Commissario Brunetti in „Ein Sohn ist uns gegeben“ seinen 28. Fall lösen (Diogenes). Der Schotte Martin Walker beschert seinem Chef de police Bruno mit „Menu surprise“ den elften Fall in seiner französischen Wahlheimat (ebenfalls Diogenes). Dort erscheint auch „Goldschatz“ der großen alten Dame des deutschen Kriminalromans Ingrid Noll als „liebevolle ironische Kriminaltragödie“. Spannung verspricht der preisgekrönte Friedrich Ani in „All die ungewohnten Zimmer“. Er schlage einen Weg durchs Gestrüpp unserer politischen und individuellen Verfasstheit, heißt es bei Suhrkamp.

Unüberschaubar ist der Markt mit Ratgeber- und Sachbüchern, die fast kein Lebens- oder Politikfeld auslassen. Hervorgehoben sei unter den neuen Sachbüchern aber Ian Ker­shaws „Achterbahn – Europa 1959 bis heute“ (DVA). Der britische Historiker setzt damit seinen preisgekrönten Bestseller „Höllensturz“ fort, in dem er die Geschichte Europas von 1914 bis 1949 meisterhaft analysierte.