Ehrlich währt am Längsten

Ehrlich währt am Längsten

Statt mit ganz großen Namen zu ködern, vertraut das Saarbrücker Jazzfestival darauf, dass sich Qualität auch im kleineren Rahmen durchsetzt. Die Erfahrung gibt dem künstlerischen Leiter Wolfgang Krause recht.

13 Jahre muss man erst mal durchhalten: Als das Saarbrücker Jazzsyndikat 2004 ein mehrwöchiges Blue note-Festival auflegte, war nicht abzusehen, dass der Atem bis heute reichen würde. Am Mittwoch aber beginnt tatsächlich dessen 13. Ausgabe. Das verdient Respekt. Umso mehr, weil man hier nie die bequeme, sichere Nummer gesucht hat: sprich zwei, drei große Namen, die mühelos einen großen Saal füllen und damit das übrige Nischenprogramm durchfinanzieren. Anders als die Leverkusener oder die Dresdner Jazztage also, wo zeitgleich Stanley Clarke oder Ali di Meola gastieren oder Ingolstadt, das mit Gregory Porter ködert.

Dass der künstlerische Leiter des Saarbrücker Festivals, Wolfgang Krause, einen weniger populären Weg geht, spricht für sich. Dafür, dass das von einem engagierten, 141 Mitglieder zählenden Förderverein getragene Festival auf ein regionales Publikum zählen kann, das nicht nur auf große Namen fliegt. Die Erfahrung zeige, sagt Krause, dass die Zuhörerschaft hier von Mal zu Mal "oft eine komplett andere ist". Es kommt also längst nicht immer dieselbe Gemeinde zu den Konzerten. Über das festivaleigene elektronische Kartenbuchungssystem könne er en detail nachvollziehen, wer wo wieviele Tickets ordert, sagt Krause. Die Ergebnisse beruhigen: Nahezu 50 Prozent der Karten bei allen 15 Konzerten sind bereits vor Start verkauft.

Zwei Drittel davon gehen im Domicil Leidinger im Clubformat über die Bühne, was den Saarbrücker Akustik-Schwerpunkt erklärt - getreu Krauses Prinzip und Faible, auf kleine Besetzungen ohne großes Technik-Bohai zu bauen. Dass dies als Nebeneffekt überschaubare Fixkosten für Bühne, Equipment und Saalmiete hat, verschweigt er nicht. Doch lenken nicht in erster Linie finanzielle Motive seine Programmpolitik. Krause propagiert einen ehrlichen, handgemachten Jazz "ohne technischen Aufwand", wie er sagt. Das löst der diesjährige Jahrgang ein, der im Übrigen ein weites Spektrum zeitgenössischen Jazz abbilden will - vom Vokaljazz (am 18.11. mit dem Lou Tavano Sextet sowie Fay Claassen & Peter Beets Trio) über angejazzten argentinischen Tango (zur Eröffnung) oder kontemplativen Jazz (am 13.11. Markus Stockhausen & Florian Weber) bis hin zu diversen Formationen im Zeichen von Trompete und Saxophon, etwa die "Gipsy Tenors" am 15.11. oder das Buster Williams Quartet am 16. November.

Die Festivalkosten liegen deutlich über 100 000 Euro. Nicht eben viel, führt man sich vor Augen, dass fast 100 Jazzmusiker zu den 15 Saarbrücker Gigs anreisen und nach der alten Milchmädchenrechnung der Standardpreis pro Auftritt bei Minimum 250 Euro pro Nase liegt, Hotel und Catering natürlich nicht inbegriffen. Immerhin 32 000 steuert die Stadt bei, womit etwa das ganzjährige Festivalbüro unterhalten wird. Hinzu kommen alleine gut 20 000 Euro aus der Privatschatulle eines honorigen, anonymen Spenders. Generell aber geht die Schere denn doch peu à peu auseinander, so Krause: Steigenden Kosten (etwa aufgrund höherer Mieten, aber auch infolge strikterer Zuschauer-Limitierungen qua gestiegener Sicherheitsauflagen) stünden tendenziell sinkende Zuschüsse gegenüber.

Ein Horn, in das auch viele andere Veranstalter blasen können. In den nächsten Tagen aber wird erst mal nur Blue Note geblasen. Und natürlich gezupft, geschlagen, "geklimpert".

Programm (inklusive Hörproben): www.jazz-syndikat.de .

Das Eröffnungskonzert am Mittwoch (Quinteto Criollo González Calo & Dino Saluzzi Family Group) im Schloss-Festsaal ist bereits ausverkauft.