Drei Frauen, sieben Episoden, ein Thema: Betrug und Verrat

Drei Frauen, sieben Episoden, ein Thema: Betrug und Verrat

Drei Frauen stehen im Mittelpunkt von Ulrike Reinkers im saarländischen Conte Verlag erschienenem neuen Roman, der mehr ist als ein klassischer Frauenroman.

Manche Weichen im Leben werden früh gestellt und die Korrektur der Fahrtrichtung ist danach nicht immer ganz einfach. Die 14-jährige Rosetta kann ein Lied davon singen. Schon unmittelbar nach der Geburt ist ihre Mutter in ihrer eigenen Welt so gefangen, dass sie nur wenig mit ihrer kleinen Tochter anfangen kann. Voller Stolz, noch im Wochenbett wieder Konfektionsgröße 36 tragen zu können, vergisst sie, ihre Tochter nach der Entlassung mit nach Hause zu nehmen. Zwei Monate später passiert das gleiche im Bus. Ein Klinikaufenthalt bringt Besserung und zugleich die Wende in Rosettas Leben.

Während der Abwesenheit ihrer Mutter wird Rosettas Tante Monika zu ihrer Bezugsperson. Mutter und Tochter entfremden sich immer mehr, Monika wird quasi zur Ersatzmutter. Sie lebt alleine, verdient sich ihren Lebensunterhalt in Bars und schätzt die unkomplizierte Möglichkeit, stets eine reiche Auswahl potenzieller Affären zur Auswahl zu haben. Als Rosetta erfährt, mit wem Monika eine Liaison unterhält, die weit mehr ist als nur ein kurzweiliger Zeitvertreib, gerät nicht nur ihr eigenes Leben aus den Fugen. Der Verrat an der eigenen Familie wird zur Zerreißprobe für die Beziehung beider. Aber auch im Verhältnis zwischen Rosetta zu Jenny, der dritten zentralen Romanfigur, ist Betrug und Verrat ein wesentliches Thema.

Ulrike Reinker erzählt in ihrem Episodenroman in sieben Kapiteln das Leben dreier Frauen, die sich auf unterschiedliche Art sehr nahe stehen: Rosetta, ihre Tante Monika und Jenny, ihre beste Freundin. Jede einzelne der sieben Episoden funktioniert als autarke Kurzgeschichte; Motive und Handlungsstränge sind aber so verwoben, dass aus der Zusammenschau ein wunderbar kurzweiliger, ebenso emotionaler wie witziger Roman entsteht.

Nicht wenige Genres haben Signalwirkung, sensibilisieren die einen und schrecken gerade deshalb andere potentielle Leser(innen) ab. Insbesondere Frauenromane haben es meist ziemlich schwer, über ihre genau definierte Zielgruppe Beachtung zu finden. Ulrike Reinker ist deshalb ein veritabler Glücksgriff gelungen. Die Tatsache, dass man weder im Impressum noch in der Vorankündigung des Buches einen Hinweis darauf findet, dass der Roman bereits vor zwei Jahren als Taschenbuch im kleinen Burghügelverlag erschienen war, ist zwar ärgerlich, aber am Ende verzeihlicher als der wiederholte Fehler im Vornamen des Dramatikers Bertolt Brecht.

Ulrike Reinker: Wie es war, ich zu sein. Conte, 260 S., 16,90 €.