"Downton Abbey" im Kino

„Downton Abbey“ im Kino : Adel verpflichtet jetzt auch im Kino

Ein Kinofilm knüpft an eine Kultserie an: In „Downton Abbey“ steht der glanzvolle Haushalt einer Adelsfamilie im Mittelpunkt. Ein Werk voller Nostalgie.

(kna) Was haben die Fans der Serie gebangt und geschmachtet mit den Schicksalen derer auf Downton Abbey, und wie waren sie plötzlich alleingelassen, als die Reihe 2015 zu Ende ging. Bald danach wurde einmütig beschlossen, zumindest einen Folgefilm nachzulegen – dank des immensen internationalen Erfolgs der Saga um ein englisches Landadelsgeschlecht, seine Bediensteten und das prächtige Anwesen, welches Wohl und Wehe seiner Bewohner auf vornehm-diskrete Weise umschließt.

Yorkshire, England, 1927: Im Westen nichts Neues, könnte man meinen, käme da nicht plötzlich milder Aufruhr in den Postverkehr zwischen dem trubeligen London und der Abbey: Hoher Besuch kündigt sich an, der König und die Königin mit großem Gefolge. Die hektische Vorbereitung und die – natürlich – glanzvolle Exekution dieses royalen Events bildet die dramaturgische Klammer, die die diversen Rivalitäten, Konflikte und Intrigen zusammenhält. Es erfreuen außerdem aufs Neue: die sorgsam angespitzten rhetorischen Giftpfeile der Dowager Countess, die prachtvollen Roben von Familienoberhaupt Cora und ihrer Tochter Mary sowie das bis zur Karikatur ehrbar-diensteifrige Treiben „downstairs“ bei den Dienstboten.

Andererseits kann in 120 Minuten Spielzeit auch ein Dramaturg, der mit Handlungssträngen so geschickt hantiert wie Kammerzofe Anna mit Nadel und Faden, keinen Erzählteppich erschaffen, der so vielschichtig angelegt ist, wie das den sechs Staffeln der Serie möglich war. Dennoch zeigt Julian Fellowes auch hier sein erzählerisches Können; die Montage der verschiedenen Handlungsebenen ist auch im Spielfilm virtuos, und das Tempo wird durch klug dosiertes Drama recht hoch gehalten.

„Hochverrat auf Downton Abbey!“: So könnte der Zuschauer entsetzt ausrufen, als Köchin Miss Patmore, Küchenhilfe Daisy und Co. nach vielerlei Schikanen durch den arroganten Hofstaat des Königs beschließen, die Rundumversorgung der gekrönten Häupter selbst in die Hand zu nehmen – und sie mit Gastlichkeit à la Downton zu überraschen. Hier wären allerdings etwas weniger Augenrollen und Kratzfüße mehr gewesen, man ist schließlich nicht zu Gast bei König Julius CXI. und Schlossgespenst Hui Buh.

Deutlich ernster behandelt der Film gewisse soziale und politische Verwerfungen, die endgültig nicht mehr vor der Tür gelassen werden können: die gewaltsame irische Befreiungsbewegung, mit der es König George V. während seiner Regentschaft zu tun hat, das Rollenverständnis von Mann und Frau, ausgelebte Homosexualität. Diese Themen werden glaubwürdig eingeführt und bescheren Figuren am Rande unerwartet große Momente. So schlägt die große Stunde des in die herrschaftliche Familie eingeheirateten Iren Tom Branson. Daneben muten andere Wendungen in anachronistischer Weise etwas zu modern an.

Gewünscht hätte man sich ferner, dass die Macher den Mut aufgebracht hätten, die Handlung in jedem Sinne etwas weiterzutreiben: zeitlich bis hinein in die Weltwirtschaftskrise und den aufdämmernden europäischen Totalitarismus, erzähltechnisch ebenso in die etwas raueren Gefilde modernen Storytellings. Welche Aufwertung seiner Rolle wäre es etwa gewesen, den Earl of Grantham aus dem Gefühl seiner wachsenden Bedeutungslosigkeit heraus kurzzeitig mit dem (englischen) Faschismus flirten zu lassen – nur um ihn letztlich umso strahlender als den moralisch unkompromittierbaren Mann des Standpunkts erstehen zu lassen, der er ja ist? Ein Roman und Film wie „Was vom Tage übrig blieb“ zeigte da bereits komplexeres historisches Problembewusstsein.

Aber vielleicht ist all dies zu viel erwartet; vielleicht darf sich der Zuschauer einfach daran erfreuen, sich die letzten rund 20 Minuten des schwelgerischen Werks im Kinosessel zurückzulehnen und noch einmal die Welt von „Downton Abbey“ zu genießen: die Dinners, die Bälle, die schnippischen Oneliner und auch den Humor, der Film und Serie gleichermaßen human grundiert. Ein wenig Weichzeichner, ästhetisch und sozialgeschichtlich, tut diesem unschuldigen Genuss keinen Abbruch.

„Downton Abbey“ startet in einigen
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