Donald Duck wird 85, sein deutscher Zeichner Jan Gulbransson gratuliert.

Comic-Kultfigur feiert Geburtstag : Noch so temperamentvoll wie ein junger Erpel

Jan Gulbransson ist einer der wenigen deutschen Disney-Zeichner. Er verfasst seit fast 40 Jahren Donald-Duck-Comics und kennt den vielleicht berühmtesten Erpel der Welt, der jetzt 85 wird, wie kaum ein anderer.

Dass Jan Gulbransson heute so erfolgreich Comics zeichnet, liegt wahrscheinlich an einem Entschluss, den er mit acht Jahren fasste. „Ich habe mich damals gefragt, warum Erwachsene sich eigentlich nicht daran erinnern können, wie sie als Kinder waren. Ich hab mir vorgenommen: Du merkst Dir das!“ Heute ist Jan Gulbransson einer der wenigen Deutschen, die ganz offiziell Donald-Duck-Comis zeichnen dürfen. Wenn er bei einem Comic-Festival auftritt, stehen die Fans stundenlang an, um eine persönliche Donald-Zeichnung von ihm zu bekommen. Er ist auch der erste Deutsche, der in Disneys Ruhmeshalle, die „Hall of Fame“, aufgenommen wurde.

„Es gibt eine gewisse Seelenverwandtschaft“, sagt Gulbransson, der am Dienstag – nur fünf Tage vor Donalds 85. Geburtstag am 9. Juni – 70 Jahre alt geworden ist. „Der ist mir lieb und teuer und tatsächlich lieber als meine eigenen Figuren.“

Das Talent zum Zeichnen wurde dem Enkel des berühmten Malers und Karikaturisten Olaf Gulbransson wohl tatsächlich in die Wiege gelegt. Seinen Weg auf den Comic-Olymp schlug er schon während der Schulzeit ein. Ein Ereignis hat ihn damals besonders berührt, wie er sagt: „1957 ist das erste und einzige Mal nach dem Dritten Reich in Deutschland Schriftgut verbrannt worden“, erinnert er sich. Auf öffentlichen Plätzen seien damals Berge von Comics in Flammen aufgegangen. „Das, was ich mache, ist also die Rache des kleinen Burschen aus den 50er Jahren.“

Erst zeichnete Gulbransson privat, nach der Schule heuerte er in einem Münchner Zeichentrick-Studio an. Dort blieb er bis Anfang der 1980er Jahre – bis er auf einer Kinderbuchmesse Kontakt zu dem holländischen Verlag aufnahm, der die Disney-Lizenzen innehatte. Dort begann seine Arbeitsbeziehung zu Donald, die ihn schließlich zurück nach Deutschland und zum Berliner Egmont/Ehapa-Verlag führte. Neben vielen anderen Comic-Projekten entwickelt und zeichnet er nun die Donald-Geschichten für die deutsche „Micky Maus“-Ausgabe.

Einer seiner großen Erfolge: Im Jahr 2012 schickte er die Familie Duck auf Deutschland-Reise, nach Berlin, Hamburg – und auf das Oktoberfest in München. Im vergangenen Jahr brachte der Egmont-Verlag dann einen großen Best-of-Sammelband heraus. „Donald Duck – von Jan Gulbransson“.

Er wolle zwar nicht so weit gehen, seine Geschichten als „lausig“ zu bezeichnen, aber an die des für viele Comic-Fans legendären Zeichners Carl Barks kämen sie nicht heran. „Es gab in meiner Kindheit zwei Autoren, denen ich geglaubt habe. Der eine war Mark Twain, der andere Carl Barks“, sagt Gulbransson. „Auch wenn es kitschig klingt: Von Barks habe ich eine Betriebsanleitung fürs Leben bekommen.“

Seit 1980 hat Gulbransson mit den Ducks Halloween gefeiert und Weihnachten. Er hat sie hoch hinaus in die Lüfte geschickt, hinaus auf die hohe See, ab auf die Skipiste und in den Fernen Osten. Donald war in seinen Geschichten Geheimagent, Detektiv oder Entdecker. Auf die Frage, ob Donald in 85 Jahren ein anderer geworden ist, antwortet Gulbransson: „Donald bleibt immer Donald, und das ist auch gut so. Aber bei anderen Ducks lohnt es sich durchaus, gelegentlich einen tieferen Blick in ihre Seelen zu werfen. Daisy muss schließlich nicht jedesmal wie ein Feuerwerkskörper grundlos explodieren, und auch Dagobert hat nicht nur ein Herz aus Stein. Einmal, als er um ein Haar seine gesamten 13 Fantastilliarden verliert, gestattet er sich einen seltenen Moment des Selbstzweifels: „Manchmal fragt man sich echt, warum man sein ganzes Leben lang spart.“

Jan Gulbransson mit einem Sammelband seiner Comics. Foto: dpa/Sina Schuldt

Auch wenn Gulbransson schon Jahrzehnte im Geschäft ist und eine Institution der Disney-Comics, muss er sich allerdings an unumstößliche Regeln halten: Sex, Tod und Religion gibt es nicht in Entenhausen. Und auch Politisches darf er nicht hineinschmuggeln in seine Geschichten. „Die Versuchung ist da, gerade heutzutage, klar. Zum Beispiel: den Sinn von Toleranz aufzuzeigen. Aber das erreicht man bestimmt nicht im Oberlehrerton. Niemand lässt sich gerne bepredigen. Die gute Nachricht aber ist: eben diese Botschaft steht bei Donald ohnehin zwischen den Zeilen. Wer einen Typen wie ihn mag, der muss ganz schön tolerant sein.“

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